Künstliche Farbstoffe standen bereits in der Vergangenheit mehrfach im Verdacht, mit der Entstehung von Allergien und Hyperaktivität in Verbindung zu stehen. Besorgten Eltern gibt nun eine neue Studie der Universität von Southampton recht, die einen Zusammenhang zwischen dem gleichzeitigen Konsum von künstlichen Farbstoffen und dem Konservierungsmittel Natriumbenzoat (E 211) und dem verstärkten Auftreten von Hyperaktivität bei Drei- und Achtjährigen nachweist.
Im Rahmen dieser Studie wurden 300 Kinder auf bereits bestehende Hyperaktivität und Allergien getestet. In den darauf folgenden vier Wochen wurde die Ernährung der Kinder kontrolliert. Die Eltern wurden gebeten, über das Verhalten ihrer Kinder genau Buch zu führen. Dabei war es ihnen gänzlich unbekannt, welcher Saft – entweder mit oder ohne Farbstoffe und Konservierungsmittel – ihrem Kind gerade während der Studie verabreicht wurde. Übereinstimmend erklärten die Eltern, dass ihre Kinder in jenen Phasen weniger hyperaktiv waren, in denen die Zusatzstoffe fehlten. Gleichzeitig stellten sie einen hohen Grad an Hyperaktivität fest, wenn die Zusatzstoffe verabreicht wurden – unabhängig davon, ob das entsprechende Kind auch schon vor der Studie hyperaktiv oder allergisch reagierte. Die Klarheit der Ergebnisse rief in der Fachwelt und in der Öffentlichkeit gleichermaßen Erstaunen hervor.
„Es besteht potenziell die Möglichkeit, dass dieser beobachtete Effekt auch auf alle anderen Kinder zutrifft. Sollte sich dieses Phänomen reproduzierbar nachweisen lassen, sollten Lebensmittelfarben grundsätzlich entfernt werden“, sagt Professor John Warner, wissenschaftlicher Leiter der Studie. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA (European Food Safety Authority) führt nun im Auftrag der Europäischen Kommission eine Untersuchung zur Sicherheit aller in der EU zugelassenen Lebensmittelfarbstoffe durch. Manche Experten zeigten sich verwundert über diesen Schritt, denn alle Zusatzstoffe wurden bereits vor ihrer Zulassung strengsten Prüfungen unterzogen. Die Untersuchung wurde aber vor allen Dingen deshalb angestrengt, weil seit der letzten Beurteilung der Farben schon viel Zeit vergangen ist. Die Ergebnisse der erneuten Evaluation stehen noch aus.
Innerhalb der EU gibt es 43 zugelassene Lebensmittelfarbstoffe – aufgeführt in der bekannten E-Nummern-Klassifikation der EU-Richtlinie 94/36/EC. Für jeden zugelassenen Zusatzstoff gibt es entsprechende Anforderungen in Bezug auf dessen Reinheit und Herstellung. Die EU-Farbstoffrichtlinie selbst unterscheidet nicht direkt zwischen künstlichen oder natürlichen Farbstoffen und das allein führt schon zu Verwirrung und Bedenken bei vielen Konsumenten. Einerseits wissen viele Verbraucher ohnehin wenig über E-Nummern und bewerten diese unbewusst eher negativ. Das gilt übrigens auch für die dazugehörigen entsprechenden Farbstoffnamen. Andererseits möchte auch niemand mit einer E-Nummernliste und entsprechenden Erklärungen in der Hand einkaufen gehen. Wie aber sollen sich Konsumenten im Einzelfall über die Eigenschaften des fraglichen Zusatzstoffes informieren, um sich nötigenfalls gegen das entsprechende Produkt zu entscheiden?




