Dr. Imad Jenayeh
Vor dem Hintergrund der Liberalisierung der Energiemärkte für Strom hat sich die Beschaffung von Energie aus Sicht von Industrieunternehmen stark verändert. Die Folgen des Wettbewerbs auf dem Energiemarkt sind konkurrenzfähige Preise, individuelle Vertragsbedingungen und alternative Beschaffungsmöglichkeiten, z. B. über Strombörsen. Dabei profitieren die Unternehmen am meisten, die in der Lage sind, flexibel am Energiemarkt zu agieren.
Hinzu kommt, dass Versorgungsverträge heute oft mehr oder weniger komplizierte Abrechnungsmodelle besitzen und somit erhebliche Informationsanforderungen an den Verbraucher stellen. So werden beispielsweise abrechnungsrelevante Verbrauchsprognosen gefordert. Daher bieten gute Prognosen Chancen zur Kostensenkung. Weiterer Druck entsteht durch Umweltschutzanstrengungen, die eine ständige Erhöhung der Energieeffizienz erfordern. Es besteht daher ein ständig steigender Bedarf, energiesparende Produkte einzusetzen, Einsparpotenziale zu suchen und an neuen Strategien im Energiebezug, in der -verteilung und -versorgung zu arbeiten. Dies erleichtern Energiemanagementsysteme (EMS). Sie leisten bei all diesen Problemen eine unverzichtbare Hilfe. Sie ermöglichen die Planung, Steuerung und Kontrolle aller Energieströme und die Nutzung vorhandener Freiheitsgrade zur Minimierung der Energiekosten. Zunächst muss hierzu ein Unternehmen klären, welche Energien und Medien im EMS abgebildet werden sollen und welche Betrachtungsgrenze gewählt wird. Typische Energien und Medien sind neben Strom und Gas auch Dampf, Wasser, Druckluft usw. Der Umfang des EMS kann sich von einem Betrieb über das ganze Unternehmen bis zu einem Konzern mit mehreren Standorten erstrecken. Für alle diese Anwendungen bestehen mit der hier vorgestellten Lösung bereits praktische Erfahrungen. Die Grafik zeigt eine Übersicht, die ein Unternehmen als Energiesystem darstellt. Anhand des Energiesystems kann zusammen mit dem Kunden der Umfang eines EMS festgelegt werden.
Zu den wichtigsten Funktionen eines EMS gehört die Prognoseerstellung. Die für eine optimale Planung benötigte, möglichst genaue Prognose des Energiebedarfes wird für viele Verbraucher mit besseren Konditionen belohnt. Daher muss ein EMS-System in die Zukunft gerichtet den Energie-bedarf planen und darauf basierend eine Prognose für den Energieversorger erstellen. Sie ist die Basis für die Abrechnung und wird üblicherweise getrennt für Strom, Dampf und Gas erstellt. Die Prognosen erstrecken sich für Strom typischerweise im 15-min.-Raster über den nächsten Tag bis zu einer Woche. Darin werden vom EMS sofort interne Abhängigkeiten für die Energiewandlung berücksichtigt. Dies ist bei Betrieben mit eigener Dampfwirtschaft und Eigenerzeugung von Strom der Fall. Für eine Prognose an einen externen Versorger ist es zwingend, neben der Stromprognose auch die Dampfprognose zu erstellen. Damit wird die Eigenerzeugung bestimmt und schließlich der extern notwendige Bezug abgeleitet.




