Auf den ersten Blick erscheint die Rückverfolgbarkeit von Produkten einfach, vor allem wenn die Lieferkette nur wenige Stationen zwischen Hersteller und Verbraucher umfasst. Lieferketten in der Realität sind jedoch häufig viel komplexer und erstrecken sich über eine Vielzahl an Ebenen – angefangen beim Erzeuger über verarbeitende Betriebe bis hin zum Händler, der das Endprodukt auf den Markt bringt. Je mehr Zutaten in einem Nahrungsmittel enthalten sind, desto schwieriger ist es die am fertigen Produkt beteiligten Lieferanten, Ursprungsländer oder Verarbeitungsstätten zu identifizieren. Ganz abgesehen von der Frage, ob eine Überprüfung und Zertifizierung nach lokalen Standards für die Lebensmittelsicherheit stattgefunden hat. Tatsächlich überblicken die meisten Unternehmen nur eine oder zwei Ebenen ihrer Lieferkette (Bild 1).
Bestes Beispiel hierfür ist die Pizza aus dem Tiefkühlregal: Die drei wichtigsten Bestandteile sind Teig, Tomatensauce und Mozzarella. Jede Zutat stammt von verschiedenen Lieferanten, die ihrerseits wieder Zutaten aus unterschiedlichen Quellen beziehen. So potenziert sich die Zahl der an der Lieferkette beteiligten Akteure schnell um ein Vielfaches.
Diese Problematik wird treffend im sogenannten „V3“ Modell veranschaulicht (Bild 2). Darin fließen drei variable Größen ein, die sich je nach Produkt und Lieferkette deutlich voneinander unterscheiden. Zunächst müssen auf jeder Ebene der Lieferkette die unterschiedlichen Zutaten berücksichtigt werden. Neben Teig, Tomatensauce und Mozzarella werden bei einer Pizza oft weitere Zutaten wie Salami, Paprika oder Pilze verwendet. Die zweite variable Größe gibt die Anzahl der Ebenen je Zutat an. Während man bei Rohprodukten wie einer Tomate schnell das Ende der Lieferkette erreicht, gestaltet sich die Rückverfolgbarkeit einer Tomatensauce aus mehreren Zutaten weitaus komplexer. Die dritte variable Größe ergibt sich aus der Zahl der Zulieferer je Zutat. Kombiniert liefern diese drei Größen Milliarden an Daten für tausende von Produkten, die erfasst und abgebildet werden müssen, um ausreichend Transparenz und Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.
Derart komplexe Daten bekommt man nur mit einer leistungsstarken Technologie in den Griff, die in der Lage ist, eine große Masse heterogener und komplex vernetzter Daten zu verarbeiten. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein Unternehmen startet eine Rückrufaktion und muss dazu alle Produkte identifizieren, in denen Tomaten enthalten sind. Ein einfacher Suchlauf hilft hier nicht weiter, da nicht bekannt ist, auf welcher Ebene der Lieferkette gesucht werden soll. Bei einem Tomatensalat befindet sich das Rohprodukt beispielsweise auf der ersten Ebene, während es bei der Tomatensauce für Pizza auf der fünften Ebene liegt. Die Tomate könnte sogar ein Zwischenprodukt sein und gar nicht explizit als solche erwähnt werden.




