Der Rohstoff Milch ist kostbar. Deshalb setzt Rücker’s Zentral-Molkerei aus Aurich das Prozessleitsystem Simatic PCS 7 ein. Das System automatisiert drei Viertel des gesamten Betriebes, beginnend bei der Milchannahme über die Erhitzung und Butterei bis hin zur Milchtrocknung. Ohne zusätzlichen Personalbedarf konnte die Molkerei mit Simatic PCS 7 ihren Durchsatz verdoppeln.
Annette Horneber
Rücker’s Zentral-Molkerei ist eine der führenden Molkereien in Deutschland. Die Innovationskraft des Unternehmens spiegelt sich auch in seiner breiten Produktpalette wider. Rücker’s ist es wiederholt gelungen, Spezialitäten auf den Markt zu bringen, die sich von Nischenprodukten zu ausgesprochenen Rennern entwickelt haben, beispielsweise Feta-Käse. Noch vor wenigen Jahren kannten ihn die Deutschen nur aus dem Griechenlandurlaub. Heute ist diese „griechische Spezialität“ aus dem Kühlregal nicht mehr wegzudenken. Einen ganz wesentlichen Anteil an diesem Erfolg hat das Familienunternehmen aus Aurich. Rücker’s hat den Geschmack so gut getroffen, dass selbst die Griechen inzwischen einen nicht unerheblicher Anteil ihrer landestypischen Spezialität aus Ostfriesland beziehen.
Die Molkerei in Aurich hat drei Käsereien in Betrieb, zwei für Feta, eine für Mozarella, eine weitere Linie produziert Butter. Die Linien arbeiten streng auftragsbezogen. Varianten und Abpackungen richten sich nach dem wöchentlichen Bestelleingang. Die verbleibende Milch wird zu Trockenpulver verarbeitet. Der neue Sprühturm hat eine Verarbeitungskapazität von 700 000 kg Magermilch am Tag.
„Der Rohstoff ist bei uns Kostenfaktor Nummer eins“ erläutert Klaus Rücker, Geschäftsführer der Zentral Molkerei Aurich. Das Durchsatzvolumen macht dies verständlich: Eine Million Liter Milch werden täglich bei Rücker`s zur Weiterverarbeitung angeliefert. Die Schwierigkeit: Milch ist nicht gleich Milch. Der Fettgehalt beispielsweise ist stark von der Jahreszeit abhängig, unterliegt aber auch täglichen Schwankungen. Die Ladung jedes Milchsammelwagens muss einem exakten Rohstoffcontrolling unterzogen werden. Die Kunst besteht darin, diese schwankenden Milchqualitäten so zu behandeln und zu mischen, dass wesentliche Qualitätsparameter der Endprodukte, beispielsweise Geschmack und Konsistenz, konstant bleiben. Ein Blick auf das Rohrleitungssystem, das aus der Abtankhalle in den Betrieb führt, lässt die Komplexität der Aufgabe erahnen. Ohne kontinuierliche Bestandsüberwachung geht hier leicht der Überblick verloren.
Der Einsatz von Simatic hat bei Rücker’s schon Tradition. Anfang der Neunziger Jahre hat die S5 die S3 abgelöst und war bis vor kurzem bewährter Standard im ganzen Betrieb. So hatte es die Wellbrock Automatisierungstechnik aus Bremen leicht, Rücker`s von Simatic PCS 7 zu überzeugen. Argument für PCS 7 zur Automatisierung der Bereiche Milchannahme, Milchbearbeitung (Betriebsraum und Butterei sowie alle dazugehörigen Tankläger und CIP-Anlagen), die Wellbrock zusammen mit der AT Anlagentechnik, Oldenburg, realisiert hat, war aus Sicht des Endkunden vor allem die Möglichkeit einer deutlichen Kapazitätssteigerung. Fehler lassen sich viel früher als vorher erkennen. Die Qualität nimmt zu – und das bei einer deutlich erhöhten Verfügbarkeit. Neben der Leistungsfähigkeit entschied vor allem der Komfort in der Warte. Den weiß auch Klaus Rücker als Geschäftsführer zu schätzen. Gab es bisher nachts Probleme in der Produktion, musste er sich immer auf die Aussagen seiner Mitarbeiter verlassen. Durch die Schichtwechsel konnte es dabei zu Missverständnissen und Unklarheiten kommen. Heute informiert ihn ein lückenloses Protokoll über den nächtlichen Betrieb umfassend und schnell.




