Marc Pohlmann
Allein im Werk von Aretsried verarbeitet die Molkerei Müller Milch jeden Tag 500 000 l Rohmilch. Der leicht verderbliche Rohstoff verlangt optimal abgestimmte Arbeitsabläufe. Mit dem ERP-Standard R/3 von SAP hat Müller die EDV-technische Grundlage gelegt für eine schnelle und zuverlässige Abwicklung der Logis-tikprozesse. Gleich nach der Ankunft entscheiden erste Qualitätskontrollen über die weitere Verwendung der Rohware. Rohstoffe, für die eine Wareneingangsprüfung vorgesehen ist, werden zunächst in den Q-Bestand (Qualitätsprüfung) gebucht. SAP legt prozessbezogen ein Prüflos mit minimalen Ausprägungen für dieses Material an. Durch die Generierung eines Prüfloses wird die QM-IDI-Schnittstelle, die für die Kommunikation zwischen SAP R/3 und dem Labor-informations- und -managementsystem Collier LIMS verantwortlich ist, angestoßen. Die Schnittstelle schreibt die prüfungsrelevanten Daten in eine Tabelle fort, die wiederum von Collier ausgelesen wird, um einen Prüfauftrag für das Material zu generieren. Der Mitarbeiter im Wareneingang versieht die Probe aus dem Tankzug mit einer Wareneingangsnummer und schickt sie an das Labor.
Sobald der Laborant die vorgegebenen Analysen – wie chemische, bakteriologische bzw. sensorische Untersuchungen – durchgeführt und die Ergebnisse ins System eingegeben hat, wird im LIMS ein Verwendungsentscheid getroffen und per Upload an SAP R/3 zurückgegeben (Abb. 1).
Erscheint der Gesamtstatus als Ergebnis möglicher Einzelparameterprüfungen als freigegeben, wird das Material in den Arbeitsvorrat gestellt. Durch die Freigabe können die Rohstoffe anschließend in der Produktion verbucht, die Papiere für den Versand erstellt werden etc. Ergeben sich allerdings Differenzen von Einzelprüfungen, so wird zunächst der Gesamtstatus auf vorläufige Sperrung gesetzt.
Die QM-Leiter müssen nun entscheiden, ob ein Material freigegeben, gesperrt oder bedingt freigegeben wird, beispielsweise für Sonderverkäufe.
Sowohl die bedingte Freigabe als auch die Sperrung eines Materials hätten zur Folge, dass dieses Material aus dem Q-Bestand direkt in den gesperrten Bestand gebucht würde. Mögliche Folgeaktionen aufgrund eines gesperrten Materials, wie Vernichtung oder für den Einsatz als Viehfutter, könnten sofort gestartet werden.
Da der Milchproduzent mit den verschiedensten Materialien arbeitet, die über unterschiedliche Distributionswege und in unterschiedlichen Verpackungsarten in die Werke geliefert werden, war es sinnvoll, die EDV-technische Behandlung den Prozessflüssen anzupassen. Die Verwaltung der qualitätssichernden Daten erfolgt anhand verschiedener EDV-Systeme: SAP R/3 arbeitet als übergeordnetes Sys-tem, auf das beide angeschlossenen Werke zugreifen, Collier LIMS fungiert als Sub-System. Dabei sind die eingesetzten LIMS-Systeme au-tark, da sie die unterschiedlichen Vorgaben der einzelnen Werke berücksichtigen müssen. Das bedeutet: SAP steuert den betriebswirtschaftlichen Prozess, wie die Materialbewegung und die Materialverwendung, Collier liefert dazu die QM-relevanten Daten. Die vollständigen Prüfpläne mit allen zugehörigen Prüfmerkmalen werden in Collier gepflegt (Abb. 2). Dabei steuert das LIMS alle qualitätssichernden Prozesse wie Wareneingangskontrollen, Analysen von Rückstellproben, Arbeitsvorräte im Labor und die Verwendungsentscheide der Materialien. Bei Müller Milch werden so derzeit im LIMS rund 500 000 Datensätze zu Einzelprüfungen verwaltet. Mehr als 60 000 Prüfaufträge und 130 000 Status-Datensätze sind über Collier im System hinterlegt. Pro Monat fallen von einzelnen Proben zwischen 7500 und 8500 Prüfaufträge an, woraus eine Zahl von rund 70 000 Einzelanalysen resultiert.




