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    Mit Fingerspitzengefühl
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    Back- & Teigwaren

    Mit Fingerspitzengefühl

    Für Genießer sind Sortimentspackungen mit feinem Gebäck etwas ganz Besonderes; für Verpackungsingenieure stellen sie zunächst eine besondere
    Veröffentlicht
    09. Mai 2006
    Lesezeit
    4 Minuten
    Rubrik
    Back- & Teigwaren

    „Herr Schubert, Sie haben uns mehr geliefert als eine Maschine“, lautete das Fazit von Oscar A. Kambly anlässlich eines Besuchs von Gerhard Schubert in der Schweizer Kambly-Zentrale in Trubschachen. Doch wie werden die insgesamt sieben verschiedenen Sortimentpackungen aus nicht weniger als 21 unterschiedlichen Gebäck-sorten hergestellt?

    Eines sei vorweg genommen: Für den Verpackungsprozess wäre es am einfachsten, wenn alle Gebäckstücke einer Sortimentpackung gleichzeitig produziert werden könnten. Doch das geht nicht, lautet die einhellige Meinung unter den Herstellern hochwertiger Feinbackwaren. Zu hoch sind die Kosten der Produktionsanlagen, so dass die an verschiedenen Tagen produzierten Gebäckstücke zwischengespeichert werden müssen.

    Drei Methoden der Zwischenspeicherung bieten sich an. Erstens: Die Feinbackwaren werden in großen Speicherbehältnern aufgenommen und aus diesen heraus die Sortimente gepackt. Zweitens: Kleine Sortentrays werden gepackt, aus denen dann die Sortimente zusammengestellt werden. So findet der Konsument dann in einer Sortimentspackung viele kleine Sortentrays vor. Und Drittens: Die Methode Kambly. Hier werden die Gebäckstücke zunächst in Unitrays gepackt, die ohnehin produziert und nachgefragt werden. Der Anteil an der Produktionsmenge, der für die Sortimentpackungen benötigt wird, kommt in einem Sortimentenlager in den Unitrays zur Zwischenspeicherung. Später werden die Gebäckstücke daraus ausgepackt und dem neuen Verpackungsprozess zugeführt.

    Bei Kambly übernimmt seit Juni 2005 eine TLM-F44-Pickeranlage von Gerhard Schubert diese Aufgaben. Das heißt, Verpackungsroboter erledigen dazu das Auspacken und gleich im Anschluss daran wieder das Einpacken in neuer Zusammenstellung. Die Konstellation der Verpackungsroboter sieht dazu folgendermaßen aus: Die leeren Sortimenttrays werden von einem Trayentstapler TLM-F2 aus dem Stapel entnommen, um 100° geschwenkt und in eine Transportkette eingesetzt. Letztere fördert die Trays zum Befüllen durch die Maschinenanlage. Quer zur Transportkette sind insgesamt fünf F44-Roboterzellen angeordnet, die jeweils über zwei Zuführbänder verfügen. Hier werden die Unitrays sortenrein pro Band manuell aufgelegt. Somit lassen sich bis zu zehn verschiedene Gebäcktypen in einer Sortimentpackung miteinander kombinieren.

    Zum Entladen werden die Kekse lagenweise aus den Unitrays per Vakuumsauger entnommen, bis diese leer sind. Die Trays selbst werden von unten per Vakuum fixiert und nach dem Entladen über ein zentrales Abtransportband gesammelt und via einer Shredderanlage dem Recycling zugeführt. Jeder Biskuit durchläuft auf einem Förderband den Schubert-Auflichtscanner, der als optisches Erkennungssystem eine Qualitätskontrolle durchführt: Neben Oberfläche in Quadratmillimeter, Geometrie und Orientierung können Risse, Farben oder Flecken erkannt werden. Auf diese Weise werden alle notwendigen Parameter ermittelt, so dass der Roboter anschließend das Gebäckstück an vorgesehener Stelle im Sortimenttray platzieren kann. Diese Vorgehensweise ist an allen fünf F44-Roboterzellen identisch.

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    Die sieben Sortimentsmischungen sind in der VMS-Maschinensteuerung von Schubert quasi als Rezepturen hinterlegt. Deren Bestandteile unterscheiden sich in Hinblick auf die verwendeten Gebäcksorten und ebenso ändert sich die Anzahl der einzusetzenden Gebäckstücke mit jeder Sorte. Schon die Unitrays sind – je nach Dicke und Ausmaß einer Gebäcksorte – individuell bestückt: So gibt es 4, 5, 6, 8 oder 12 Nester pro Tray mit 2 bis 11 Lagen pro Nest. Das Schubert-Robotersystem verfügt jedoch über die Flexibilität, um diese Variablen in ein automatisches Verpackungssystem integrieren zu können.

    In der Praxis heißt das beispielsweise, dass die Roboterarme 4 bis 8 Gebäckstücke pro Arbeitsgang aus dem Unitray ausheben können, je nach Werkzeug. Auch für die Caprice-Röllchen, die in 12er-Reihe liegen, konnte ein geeignetes Werkzeug geschaffen werden. Oder: Aufgrund der unterschiedlichen Anzahl der Gebäckstücke pro Sortimenttray, können nicht alle Zuführbänder mit gleicher bzw. konstanter Geschwindigkeit Gebäckstücke zuführen, ohne dass es dabei zu einer Über- bzw. Unterversorgung pro Sorte am Band käme. Deshalb steuern die F44-Roboter, die die Sortimentspackungen bestücken, die Antriebe der zehn Zuführbänder bzw. die Geschwindigkeit des Auspackens der Unitrays individuell nach Bedarf. Doch auch die verwendeten Vakuumsauger sind flexibel, denn sie beherrschen ganz unterschiedliche Gebäckformen und Öberflächen, von rund über rau bis reliefartig.

    Die Sortimenttrays wurden zuvor noch von Hand zusammengestellt. Kreationen wie Hazelnut Praliné, Chocolune, Suprème aux Amandes oder Délice de Noisettes werden nun seit Juni 2005 von den Schubert-Roboterarmen ebenso schonend, jedoch sehr viel schneller ausgepackt und anschließend neu einsortiert. Die Leistung, die von der Schubert-Anlage erreicht wird, beträgt bis zu 1000 Gebäckstücke pro Minute, was ca. 100 Gebäckstücken pro Minute und Roboterarm entspricht. Je nach Umfang der Sortimentpackungen entstehen daraus pro Minute 13 bis 40 Sortimenttrays. Die Effizienz der Anlage liegt damit bei 98 %.

    Auch der Leiter Technik bei Kambly und zugleich Projektverantwortlicher für die Verpackungsautomatisierung bestätigt die schon eingangs erwähnten positiven Erfahrungen: „Die Zusammenarbeit mit Schubert war und ist sehr gut“, so Stefan Suter. Kambly ist heute schon der führende Biscuits-Hersteller und größter Exporteur der Schweiz bei qualitativ hochwertigen, veredelten, haltbaren Backwaren. Diese Investition wird dazu beitragen, die Position Kamblys auch international weiter zu stärken und auszubauen.

    Halle 3.1, Stand D38

    dei 469

    Achema 2006

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