Herr Hagen, was zeichnet in Ihren Augen eine Smart Factory aus?
Ralf Hagen: Bei einer Kundenbestellung soll der gesamte Prozessauftrag in einer Smart Factory von Anfang bis Ende in einer logischen Linie verbunden sein und automatisch ablaufen können. Eine Maschine soll also selbst wissen, wann sie langsamer oder schneller fahren muss, Material anfordert oder ablehnt. Im Moment wird das durch die Mitarbeiter und deren Erfahrung bewerkstelligt. In Zukunft sollen Maschinen autonom
arbeiten können.
Welche Merkmale hat eine Smart Factory aus Sicht eines Automatisierungstechnikers,
Herr Rienessl?
Thomas Rienessl: Zweifellos die Ressourceneffizienz, etwa ein geringer Energieeinsatz und eine damit verbundene Reduzierung von Kosten. Prinzipiell sind heute sämtliche Maschinen und Anlagen automatisiert. Die Automatisierungskomponenten sind intelligent und die Anlagen produzieren sehr viele Daten. Bei der Auswertung dieser Daten geht es industriellen Produzenten darum, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern – etwa durch eine flexiblere Fertigung, eine höhere Anlagenverfügbarkeit oder um ungeplante Stillstandszeiten zu verhindern.
Sind alle Nestlé-Fabriken bereits smart, Herr Hagen?
Hagen: Nein. Das liegt vor allem an der Unternehmensgröße, da kleinere Fabriken eine geringere Durchschlagskraft haben, wenn es um Innovationen, Marktdurchdringung und Investment geht. Außerdem gibt es eine Diversifizierung der Fabriken hinsichtlich ihrer Branche und Größe. Dementsprechend groß ist die Bandbreite an Möglichkeiten, die es gibt.
Hat sich Nestlé bereits konkrete Ziele
gesetzt, was die Fertigung betrifft?
Hagen: Bezogen auf die Kennzahlen, ja. Diese können hinsichtlich der Overall Equipment
Effectiveness (OEE) am einfachsten definiert werden. Das Ziel ist, den OEE-Wert über einen bestimmten Zeitraum auf ein bestimmtes
Level zu bringen. Dieses definierte Level wollen wir erreichen.
Das ist also eine der größten Herausforderungen, aber hier gibt es sicher noch weitere.
Hagen: Definitiv, weil es Korrelationen gibt. Wenn es bei einer Maschine zum Beispiel
viele Probleme mit ungeplanten Stillständen gibt, leidet darunter auch die Sicherheit der Mitarbeiter. Es kommt zu häufigeren Mensch-Maschine-Interaktionen, die zu Unfällen führen können.
Ein wesentlicher Aspekt ist auch der Energieverbrauch: Wenn eine Anlage steht, anläuft, steht und dann wieder anläuft, erhöht sich der Verbrauch enorm. Zugleich sinkt die Qualität, weil sie im Anlauf- und Abstoppverhalten oft Ausschuss produziert.




