Dipl.-Ing. B.Eng.(Hons.) Thomas Ramme
Viele Probleme bei der Herstellung und Verarbeitung von pulverförmigen Feststoffen lassen sich auf eine mangelhafte Rieselfähigkeit zurückführen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Dies musste ein Hersteller von Sahne-Fettpulver – es hat einen Fettanteil von bis zu 70 % – bei der Umstellung der Produktion feststellen. Das Sahne-Fettpulver, das unter anderem auch in Konditoreien Verwendung findet, wird in einem Sprühturm hergestellt. Nachfolgend gelangt das Material mit einer Temperatur von ca. 50 °C zur Klassierung auf eine Taumel-Siebmaschine. Am Austrag der Siebmaschine wurde bisher die gewünschte Kornfraktion direkt in Säcke mit einem Fassungsvermögen von 25 kg abgefüllt. Probleme entstanden, als ein Großabnehmer die Lieferung in Big Bags verlangte, die etwa 300 kg des Pulvers fassen. Durch diese Veränderung wurde eine Überhebung des Pulvers nach dem Siebvorgang notwendig.
Zunächst wurde versucht, das Material mit einer konventionellen Förderschnecke zu transportieren. Diese verstopfte aber nach wenigen Umdrehungen. Die Ursache: Die Schnecke überträgt auf das Sahne-Fettpulver relativ hohe mechanische Kräfte, so dass das Pulver stark verdichtet wird und das Fett als zähflüssige Masse austritt. Darüber hinaus waren mechanische Förderanlagen unerwünscht, da die Reinigung aufwändig und die verbleibenden Restproduktmengen zu groß erschienen. Da das Sahne-Fettpulver auch zwei Richtungsänderungen um jeweils 90° passieren musste, entschied man sich für einen Versuch mit einer Produkt schonenden und flexibel einzusetzenden pneumatischen Förderanlage. Bei biegsamen Förderschnecken verstärkten sich jedoch die oben beschriebenen Probleme. Mehrere starre, hintereinander geschaltete Rohrschnecken mit Richtungsänderung trieben bei eingeschränkter Flexibilität die Investitionskosten in die Höhe.
Im nächsten Schritt musste entschieden werden, ob Druck- oder Saugverfahren zur Anwendung kommen sollen. Wichtige Kriterien für diese Entscheidung sind die Förderhöhe, die Gesamtförderstrecke, die Förderleistung und nicht zuletzt die Anschaffungskosten. Letztere liegen bei den Saugverfahren in der Regel deutlich unter denen für eine Druckförderanlage, weil bei der Saugförderung einfach gegen den Atmosphärendruck abgesaugt wird. Im Unterschied dazu sind bei der Überdruck- bzw. Druckförderung für die Produktaufgabe Druckbehälter oder Schleusen notwendig. Des Weiteren liegen die Parameter für die vorliegende Förderaufgabe deutlich unter den Grenzkriterien für Saugförderverfahren: Förderstrecken kleiner 60 m, Förderhöhen unter 30 m und Förderleistungen überschreiten nicht 6000 kg/h. Diese Angaben stellen grobe Richtwerte dar und sind vom zu fördernden Produkt abhängig. Ferner vermuteten die Fachleute, dass sich das zu Anhaftungen und zur Klumpenbildung neigende Sahne-Fettpulver besser saugen als drücken lässt.




