I. Cloughley, L. Thomas, M. C.Wijers und H. Schöberl
Die wichtige Rolle, die Docosahexaen-säure (Docosa Hexaenoic Acid, DHA), bei der Entwicklung des Gehirns spielt, wurde zuerst bei Kleinkindern im Rahmen klinischer Beobachtungen festgestellt. Es zeigte sich, dass brustgestillte Babys besser bei Standardtests – die zur Messung der kognitiven, sowie psychomotorischen Entwicklung und Sehschärfe herangezogen werden – abschnitten als Flaschenkinder. Die Tatsache, dass menschliche Muttermilch reich an DHA ist, veranlasste die Forscher, diese Substanz der Säuglingsnahrung hinzuzufügen. Viele dieser Studien kamen zum Ergebnis, dass mit DHA angereicherte Säuglingsnahrung im Vergleich zur Standardnahrung die geistige Leistung der Säuglinge verbessert [1,2]. Andere Forschungsergebnisse zeigten, dass eine gute Versorgung mit DHA wesentlich für eine optimale Entwicklung des Gehirns der Säuglinge im Mutterleib verantwortlich ist [3]. Dies gilt insbesondere für die letzten drei Schwangerschaftsmonate, in denen sich das Gehirn der Föten stark entwickelt. Darüber hinaus ergaben neuere Forschungsarbeiten, dass Nahrung, die reich an DHA ist, auch die Gesundheit der Mutter fördert [4,5].
Allerdings ist der positive Einfluss von DHA auf die Struktur und Funktion des Gehirns nicht nur auf den pränatalen Zeitraum beschränkt. Es konnte gezeigt werden, dass Dyslexie- und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätserkrankungen [6,7] durch die Verabreichung von DHA gelindert werden können. Zudem gibt es einen Zusammenhang zwischen DHA und der Prävention von Stress [9] und Aggression [8] bei jungen Erwachsenen. Bei älteren Menschen konnten die Forscher eine signifikante Wirkung von DHA bei der Behandlung des kognitiven Verfalls und Gedächtnisverlustes feststellen [10]. Eine weitere Studie weist auf einen Zusammenhang zwischen DHA und der Prävention klinischer Depression hin [11].
DHA ist eine Omega-3-Fettsäure. Diese langkettige, vielfach ungesättigte Fettsäure weist eine ungewöhnliche Konformation auf. Diese gibt der Zellmembran die notwendige Flexibilität und Fluidität, die zur Regulation der zellulären Funktionen und zur Modulation der interzellulären Kommunikation benötigt werden.
Fehlt DHA in der Ernährung, werden andere langkettige, vielfach ungesättigte Fettsäuren in die Zellmembran eingebaut. Diese können jedoch DHA nicht effektiv ersetzen: Die Funktion der Zellmembran wird eingeschränkt. Das kann in letzter Konsequenz zu einer verminderten mentalen Leistung führen.
Die Nahrungsmittel haben sich in den letzten 50 Jahren deutlich verändert. Parallel dazu sank auch die durchschnittliche DHA-Menge, die der Mensch täglich zu sich nimmt. Diese Entwicklung ist vor allem bei Frauen und Heranwachsenden besorgniserregend (Abb. 2). Im Vergleich zu den westlichen Industrienationen ist in Japan im Durchschnitt die DHA-Menge, die täglich mit der Nahrung aufgenommen wird, höher. Dies hat auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Muttermilch (Abb. 4). So enthält die Muttermilch japanischer Frauen deutlich mehr DHA als die von Frauen aus Deutschland, den USA oder Australien.




