Nanopartikel können über Inhalation, Hautkontakt oder die Aufnahme über den Mund in den menschlichen Körper gelangen. Als besonders gefährdet gelten bislang Personen, die im Arbeitsumfeld mit den Partikeln in Kontakt kommen können. Vergleichsweise intensiv wurde bislang die Expositionsroute der Inhalation untersucht: Abhängig von ihrer Größe, können sich Nanopartikel, die über die Atemluft aufgenommen werden, in den Atemwegen ablagern und in den Blutkreislauf gelangen, über den sie andere Organe erreichen. Auf diesem Weg seien bestimmte (nicht alle!) Partikel dazu in der Lage, Krankheiten wie Herz-Kreislaufstörungen, Lungenfibrose oder sogar Krebs auszulösen, erklärte Kristen M. Kulinowski (IDA-Science and Technology Police Institute, USA) im Rahmen ihres Vortrags im Fachgebiet „Medical issues and consumer safety“.
Im Anschluss an die Inhalation könne es zudem zum unbeabsichtigten Hinunterschlucken von Nanopartikeln kommen, so die Expertin. Begünstigt werde dies durch schlechte Angewohnheiten wie das Essen oder Rauchen direkt am Arbeitsplatz, die zu einem Transfer der Partikel von den Händen in den Mund führe. Auch über den Rachenraum aufgenommene Partikel – der Verzehr von Nano-Food fällt ebenfalls in diesen Bereich – könnten sich in verschiedenen Organen ablagern, betonte Kulinowski. Abhängig sei dies von der Eigenschaft eines Nanopartikels, im Körper umherzuwandern.
Zu den bereits nachgewiesenen Effekten von Nanopartikeln gehörten zum Beispiel genotoxische Veränderungen an Leber und Lunge sowie eine zytotoxische Wirkung auf die menschlichen Darmzellen. Im Hinblick auf die dermale Exposition, für die momentan nur wenige Studienergebnisse vorliegen, wurden ähnliche Auswirkungen beobachtet. Verschiedene Nanopartikel zeigten hier Einflüsse auf die Zellmorphologie, schädigten deren Membran oder riefen Schäden an der DNA hervor, so die Expertin. Kulinowski resümierte, dass es momentan in Bezug auf Nanopartikel noch in vielen Bereichen an Wissen und geeigneten Methoden fehle. Es gäbe sowohl Bedarf an Daten zur Produktion und zum Verzehr der Partikel als auch an Methoden zur Expositionsbewertung und zur Messung von Nanopartikeln in Biosystem und Lebensmittelmatrizen. Darüber hinaus könne man die vorhandenen Daten zur Absorption, Verteilung und Ausscheidung der Partikel sowie zu ihrem Stoffwechsel derzeit nur als begrenzt bezeichnen.
Auch Martin A. Philbert (Universität Michigan, USA) unterstrich die derzeit herrschenden Defizite in der Erforschung von Nanopartikeln. Eine akkurate, quantitative Methode zur Messung der Partikel in komplexen Systemen (z.B. Lebensmittel) sei praktisch nicht vorhanden, so der Experte. Dazu seien zahlreiche wichtige Informationen rund um die Eigenschaften und Wirkungsweise der Partikel noch nicht bekannt. Zu diesen gehörten unter anderem die Langzeitstabilität von nano-fähigen Nahrungsergänzungsmitteln oder die subakuten und chronischen Interaktionen zwischen Nanomaterialien und allen Elementen des differenzierten Immunsystems. Auch die Dosimetrie bei Nanomaterialien sei noch nicht vollständig geklärt, mache aber Fortschritte. Philbert wies darauf hin, dass es von besonders hoher Relevanz sei, die Auswirkungen der Materialien auf den Magen-Darm-Trakt und die Ernährungsgewohnheiten zu bestimmen.




