Dr. Vincent Lebet, Therese Hartmann
Das Weizenkorn besteht aus dem Endosperm, dem Keimling und der umhüllenden Kleieschicht. Der Keimling, aus dem die neue Pflanze entsteht, befindet sich am unteren Ende des Weizenkornes und macht nur rund 2 bis 3% des Kornes aus. Im Weizenkeim konzentriert sich eine Vielzahl von Nährstoffen wie Proteine, Lipide, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe. Mehr als 70 Wirkstoffe sind bisher gefunden worden. Durch ihre hohe Nährstoffdichte können Weizenkeime einen wesentlichen Beitrag zur Deckung des täglichen Bedarfs an Proteinen, Kohlehydraten, Ballaststoffen, bestimmten Fettsäuren sowie an Mineralstoffen und Spurenelementen leisten.
Die in Weizenkeimen enthaltenen Nahrungsfasern gelangen als unverdauliche Nahrungsbestandteile in den Dickdarm, wo sie von den dort angesiedelten Bakterien teilweise abgebaut (fermentiert) werden. Endprodukte dieser mikrobiellen Fermentation sind verschiedene Gase und kurzkettige Fettsäuren wie Essig-, Propion- und Buttersäure, die eine wichtige Rolle für die Gesunderhaltung und die Funktion des Darmes spielen. Es ist nachgewiesen, dass kurzkettige Fettsäuren eine regulierende Wirkung sowohl bei Durchfall als auch Verstopfung haben, zur Gesunderhaltung der Darmschleimhaut beitragen und eine protektive Wirkung bezüglich der Entstehung von Dickdarmkrebs haben. Fettsäuren wirken aber nicht nur am Ort ihrer Entstehung, sondern können auch zahlreiche systemische Effekte ausüben. Diskutiert werden beispielsweise eine normalisierende Wirkung auf erhöhte Cholesterin- und Triglyceridspiegel und ein dadurch vermindertes Risiko von koronaren Erkrankungen und sonstigen Gefäßerkrankungen.
Bestimmte unverdauliche Nahrungsbestandteile beeinflussen zudem die Zusammensetzung der Darmflora, indem sie das Wachstum erwünschter Bakterienarten wie Bifidobakterien und Lactobazillen gezielt fördern. Solche Nahrungsbestandteile werden als Prebiotika bezeichnet. Diese erwünschten Bakterien unterstützen das Immunsystem, fördern die Aufnahme von Mineralstoffen und hemmen das Wachstum schädlicher Bakterien.
Im Verlauf verschiedener Produktentwicklungen wurde deutlich, dass Weizenkeime ein äußerst geeignetes Substrat für fermentative Bakterien darstellen. Aufgrund des hohen Gehaltes an Kohlenhydraten und Proteinen, aber auch an spezifischen Wirkstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen, enthalten Weizenkeime alle für das Wachstum von Mikroorganismen notwendigen Substanzen. Vor diesem Hintergrund lag die Vermutung nahe, dass auch mit der Nahrung aufgenommene Weizenkeime ein für die Darmflora geeignetes Substrat darstellen.
In Zusammenarbeit mit der Gruppe von Prof. R. Amadò vom Institut für Lebensmittelwissenschaft der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich wurde 1999 das Verhalten von Viogerm PB1 im Dickdarm des Menschen untersucht. In einer ersten in vitro-Studie wurde Viogerm PB1, nachdem die verdaulichen Bestandteile entfernt worden waren, mit Hilfe von Stuhlbakterien fermentiert und die entsprechenden Fermentationsprofile ermittelt und analysiert. Die Untersuchungen bestätigten, dass Viogerm ein sehr gutes Nährsubstrat für die menschliche Darmflora darstellt. Die Nahrungsfaserfraktion setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Diese können von den Darmbakterien umfassend genutzt werden, ohne dass es dabei zu einer intensiven Gasbildung kommt. Dies ist von Interesse, da eine intensive Gasbildung im Darm zu Flatulenz führen kann. Während der Fermentation wurde eine außergewöhnlich hohe Bildung von Propionsäure beobachtet. Diese kurzkettige Fettsäure ist an der Cholesterinsynthese beteiligt und trägt möglicherweise zur Regulierung des Cholesterinspiegels bei, wie verschiedene in vitro-Studien und Tiermodelle annehmen lassen.




