Wolfgang Wiedorn
Brötchen ist längst nicht gleich Brötchen. Und genau aus diesem Grund überlässt die Bäckerei Büsch GmbH mit Hauptsitz in Kamp-Lintfort auch nichts dem Zufall. Alles, was zum eigentlichen Geschmack später beiträgt, wird von Hand gemacht. Die anderen Abläufe sind automatisiert. Dazu zählt vor allem der Transport der Brötchen-Teiglinge und Brote, die einen auf Dielen liegend, die andern in Körben verpackt.
Kurvenreiche Wegführungen, lange Einzelstrecken und diverse Höhenunterschiede bei der Streckenführung gaben den Ausschlag für den beauftragten Fördertechnikspezialisten brüel international A/S, das Rexroth-Kettenfördersystem VarioFlow S auszuwählen. Das System sorgt für den reibungslosen Transport beim Wareneingang, an dem benutzte Körbe und Dielen ankommen und dann in eine Waschanlage befördert werden. Zudem übernimmt es den Transport innerhalb der Produktion bis zum Warenausgang, wo Körbe und Dielen mit der frischen Ware den Bäckereibetrieb verlassen. Die Flexibilität des VarioFlow S macht es möglich, die von Büsch geäußerten Wünsche durch leichte Modifikationen des Standardsystems zu erfüllen. Vor allem aber entspricht der konsequente Einsatz des Werkstoffs Edelstahl, das offene Streckenprofil und die nicht schöpfende Kette ganz den hohen Hygieneanforderungen der Nahrungsmittelindustrie. Auf Grund dieser Merkmale ist eine problemlose und rückstandsfreie Reinigung garantiert. Büsch setzt das Transportsystem mit langen Strecken von bis zu 30 m ein und nutzt in weiten Teilen ein Doppelspur-Fördersystem. Das ganze Ausmaß der Anlage wird anhand einiger Zahlen deutlich: Das VarioFlow S steht in dem Bäckereibetrieb für eine Gesamtförderlänge von 550 m, davon sind rund 460 m von der Hallendecke abgehangen.
„Das System muss, ebenso wie alle anderen automatisierten Anlagenteile, schlichtweg gut funktionieren“, betont Franz-Josef Conen, Produktionsleiter der Bäckerei Büsch GmbH. Seine Begründung unterscheidet sich jedoch in einem Detail von sonst üblichen Anwenderaussagen: „Wir sind ein klassischer Handwerksbetrieb und wollen auch einer bleiben. Deshalb haben wir deutlich mehr Bäcker als Techniker angestellt. Die verstehen die Kunst des Brotbackens, können sich aber nicht um die Automatisierungstechnik kümmern. Die Anlage muss einfach laufen, ohne Experimente. Deshalb setzen wir auf bewährte Technik und namhafte Systemlieferanten.“
Von bewährten Prinzipien einer großen Bäckerei weicht die Anlage jedoch in einem Punkt ganz deutlich ab und schafft damit ein Novum in Europa, wie Uwe Michaelsen, Geschäftsführer des Planungsbüros CIC GmbH, sagt: „Es gibt bisher keine andere Bäckerei, bei der die strikte Trennung zwischen Produktion und Versand vollzogen ist. Die Aussage, das sei nicht machbar, haben wir hier durch die Fördertechnik widerlegt. Abgetrennt mit einer so genannten Brandwand, durch deren Öffnungen das VarioFlow S läuft, ist sichergestellt, dass keine LKW-Fahrer oder andere Mitarbeiter von außen in den Backbereich und umgekehrt keine Bäcker in den Versand gehen müssen. Diese Trennung ist von großer Bedeutung, weil sie für Sauberkeit und Ordnung sorgt.“




