Dipl.-Ing. Erwin König
Abwasser entsprechend den kommunalen und wasserrechtlichen Vorgaben wirtschaftlich abzuleiten und zu entsorgen ist für die Lebensmittelindustrie unabdingbar. Hierfür sind die Abwasserverhältnisse regelmäßig zu überprüfen, bei Bedarf zu erneuern und an geänderte Anforderungen anzupassen. Bei bestehenden betrieblichen Kläranlagen gilt es, mit der vorhandenen Anlagentechnik und den betrieblichen Einflüssen auf die Abwasserqualität die Betriebskosten der Abwasseranlage bei ausreichend hoher Prozessstabilität zu minimieren. Auf die Lösung dieser Aufgabenstellung hat sich das Ingenieurbüro Abwasser König spezialisiert.
Der erste Schritt der Optimierung ist die Bestandsaufnahme und Verfahrensanalyse. Dabei setzt Abwasser König folgende Schwerpunkte:
- Abklärung der kommunalen und wasserrechtlichen Rahmenbedingungen
- Überprüfung der innerbetrieblichen Produktionsverhältnisse
- Auswertung aller verfügbaren Betriebsergebnisse der Kläranlage
- Überprüfung der Anlagenauslegung und der Bemessungsparameter
- Erfassung der aktuellen Verfahrensführung der Abwasseranlagen
- Prüfung aller installierten Anlagenteile auf Funktion und Eignung
- Ermittlung der Steuerungs- und Regelungsparameter der Kläranlage
- Soll-/Ist-Vergleich der ermittelten Daten
Das Vorgehen lässt sich anhand der Optimierung der SBR-Anlage der Molkerei Hüttenthal, erläutern. Die Molkerei fertigt Odenwälder Milch- und Käsespezialitäten für Feinschmecker nach dem Leitbild: „Traditionelle handwerkliche Verarbeitung von frischer Kuh- und Ziegenmilch zu gesunden, ursprünglichen und unverwechselbaren Milch- und Käsespezialitäten mit herkunftsbezogener Identität.“
Das Produktionsabwasser der Molkerei wird in die kommunale Kläranlage der Gemeinde Mossautal eingeleitet. Wegen der kleinen Ausbaugröße der kommunalen Kläranlage ist die Molkerei verpflichtet, das anfallende Abwasser bis auf die Qualität von häuslichem Abwasser vorzubehandeln. Hierfür wurde 1992 eine SBR-Anlage nach dem System Schwander mit dem Hauptziel der Abwasserneutralisation installiert. Diese Anlage wurde 2001 für eine Abwassermenge von 40 bis 50 m3/d bei einer Zulaufkonzentration von bis zu 5000 mg CSB/l erweitert. Mit der Anlage sollten Ablaufwerte unter 600 mg CSB/l und ein pH-Wert im Bereich von 6,5 bis 9,0 eingehalten werden. Nach der Erweiterung bestand die Anlage aus einem Zulaufpumpwerk, zwei parallelen Reaktoren mit je 50 m3 Volumen und einem Schlammtank mit 20 m3. Die beiden Reaktoren wurden parallel beschickt und mit jeweils einem Zyklus pro Tag betrieben. Das während des Produktionstages anfallende Abwasser wurde direkt in die Reaktoren gepumpt und belüftet. Nach Ende der Produktion wurde der biologische Hauptabbau gestartet. In der Nacht folgten die Absetzphase und der Klarwasserabzug, sodass am nächsten Tag wieder eine ausreichende Aufnahmekapazität im Bereich von 50 m3 zur Verfügung stand. Der Überschussschlammabzug erfolgte manuell.




