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    OT-Security in der Food- und Beverage-Industrie
    Bildquelle nicht angegeben
    Technik

    OT-Security in der Food- und Beverage-Industrie

    Infinigate bietet Unterstützung bei der Einrichtung einer OT-Security-Architektur als Baustein für Produktionssicherheit, Qualitätsmanagement und Resilienz.
    Veröffentlicht
    22. Juni 2026
    Lesezeit
    4 Minuten
    Rubrik
    Technik

    Lebensmittelproduzierende Unternehmen treiben Retrofit, Digitalisierung und die enge Verzahnung von IT und OT voran, um Effizienz, Transparenz und Qualitätssicherung in der Produktion massiv zu steigern. Gleichzeitig werden ehemals isolierte Anlagen zu Bestandteilen vernetzter Infrastrukturen – und damit zu potenziellen Zielen für Cyberangriffe. OT-Security wird damit zum unverzichtbaren Baustein von Produktionssicherheit, Qualitätsmanagement und Resilienz.

    Besonders in der Food-&-Beverage-Industrie entscheidet OT direkt über Qualität, Rückverfolgbarkeit, korrekte Etikettierung und den Schutz sensibler Rezepturen, sodass ein Cyberangriff die Verkehrsfähigkeit von Lebensmitteln und ganze Lieferketten beeinträchtigen kann. OT Security ist damit kein „nice to have“ der IT, sondern ein integraler Bestandteil von Produktionssicherheit, Qualitätssicherung und Business Continuity Management. Eine NIS2/BIS-G konforme und konsistente OT-Security-Architektur, orientiert an Standards wie IEC 62443 und BSI-Empfehlungen, schafft die Grundlage, Digitalisierung und Automatisierung in der Lebensmittelproduktion beherrschbar und sicher zu betreiben. Fünf besonders kritische Bereiche stehen in der Food- und Beverage-Industrie im Fokus.

    Schwachstelle Rückverfolgbarkeit

    Die Rückverfolgbarkeit ist in der Food- und Beverage-Industrie ein geschäftskritischer Kernprozess mit direkter Auswirkung auf Produktsicherheit, Haftung und Markenvertrauen. Unternehmen müssen lückenlos nachweisen können, woher Rohstoffe stammen, über welche Linien und Prozessschritte sie gelaufen sind, mit welchen Rezepturen und Parametern produziert wurde und an welche Abnehmer welche Chargen ausgeliefert wurden. Die dafür nötigen Daten entstehen primär in der OT und sind äußerst attraktiv für Cyberkriminelle: SPS/PLC erfassen Prozessparameter, Scada/HMI visualisieren und steuern, MES bildet Chargenlogik und Historian-Systeme speichern Langzeitdaten, die wiederum in ERP, QS- und Compliance-Systeme einfließen. Werden Chargen-IDs, Zeitstempel oder Rezepturparameter manipuliert oder Prozessschritte gelöscht, sind Rückverfolgbarkeitsdaten nicht mehr auditfest. Bei Ransomware-Befall von MES-, Historian- oder Industrial-PC-Systemen gehen Daten ganz oder teilweise verloren, sind verschlüsselt oder zeitlich inkonsistent. In der Folge könnten selbst physisch einwandfreie Waren rechtlich als nicht verkehrsfähig gelten, Produktfreigabe, Compliance und Lieferfähigkeit geraten unmittelbar unter Druck.

    Schwachstelle Qualitätsüberwachung

    Die Qualitätsüberwachung erfolgt kontinuierlich während des Prozesses: Parameter wie Temperatur, Druck, pH-Wert, Leitfähigkeit, Füllstand, Gewicht, Durchfluss, Viskosität sowie optische Kriterien – etwa Füllhöhe oder Etikettierung – fließen in SPS/PLC-, Scada/HMI- und MES-Systeme ein, die automatisiert über Freigabe, Sperrung, Nachbearbeitung oder Ausschuss eines Produktes entscheiden. So könnten manipulierte Soll- und Grenzwerte, deaktivierte Alarme oder verfälschte Messdaten dazu führen, dass fehlerhafte Ware als „in Ordnung“ deklariert wird. Zudem erhöhen Ransomware und gezielte OT-Angriffe das Risiko gravierender Prozessstörungen – von Kreuzkontamination über unzureichende Reinigung bis hin zu nachhaltigen Qualitätsproblemen.

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    Schwachstelle IoT-Messtechnik

    IoT-Messtechnik erweitert die klassische Automatisierung überall dort, wo SPS-basierte Lösungen zu teuer, unflexibel oder nicht vorhanden sind – etwa bei Temperaturüberwachung von Kühlketten und Lagern, bei Druck- und Durchflussmessungen oder bei der Erfassung von Energie- und Umweltparametern. IoT-Sensoren liefern Daten über Edge-Gateways, Scada- oder MES-Systeme bis in Cloud-Plattformen und werden so zur Datendrehscheibe zwischen IT und OT – meist an Stellen, an denen Sicherheitsgrenzen besonders schwach ausgeprägt sind.

    Da viele IoT-Geräte auf ressourcenarmen Embedded-Plattformen mit veralteter Software, Standard-Credentials und unsicheren Protokollen wie MQTT oder http laufen, entstehen Einfallstore für Angriffe: Kompromittierte IoT-Sensoren können Prozessdaten manipulieren, Produktionslinien stören oder verfälschte Messwerte liefern, die dazu führen, dass die Qualitätssicherung scheinbar korrekte „OK“-Signale erhält. Darüber hinaus gefährden schlecht gesicherte IoT-Geräte durch Botnetze, erhöhte Netzlast und Latenzen die Stabilität der OT-Produktion.

    Schwachstelle Etikettierung

    Korrekte Etikettierung ist zentral für die Verkehrsfähigkeit von Produkten: Angaben zu Zutaten, Allergenen, Nährwerten, Haltbarkeitsdaten, Chargen und Herkunft müssen vollständig und fehlerfrei vorliegen. Die Etikettierung erfolgt vollautomatisiert über Linien- und Drucksysteme, die über Industrial PCs oder Controller mit MES, ERP-Datenbanken, Kameras und Scannern verknüpft sind. Bereits minimale Fehler führen zu Verkaufsstopps, Rückrufen und Bußgeldern – besonders kritisch bei Allergenen und MHD-Angaben.

    Da automatisierte Etikettiersysteme tief in den Produktionsfluss eingebunden sind, sind sie besonders anfällig: Manipulationen oder Fehlkonfigurationen können Etiketteninhalte verfälschen oder die Logik der Druckreihenfolge sabotieren und damit dafür sorgen, dass Prüfmechanismen umgangen werden – und schlimmstenfalls ganze Produktionsläufe erst im Markt als fehlerhaft auffallen. Ransomware oder Störungen blockieren Druckprozesse, Datenbankzugriffe oder Verifikationen und lassen die Lieferkette trotz laufender Produktion stillstehen. Dies macht Etikettierung zu einem OT-Blind Spot mit massivem Business-Impact, der Rückrufe schneller auslöst als echte Qualitätsmängel.

    Schwachstelle Rezepturen

    Rezepturen und Prozessparameter gehören zu den wertvollsten Geschäftsgeheimnissen. Heute sind sie jedoch nicht mehr auf Papier oder Excel beschränkt, sondern redundant über MES (Rezepturverwaltung, Chargenlogik), PLC/SPS (Parameter, Ablaufsteuerung), Scada/HMI (Visualisierung, Bedienlogik), Dateiserver/Datenbanken (Masterdaten, Varianten) und Backups verteilt. Ein Datenabfluss ist irreversibel und gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig.

    Besondere Risiken entstehen durch Phishing, kompromittierte Fernzugriffe, Schwachstellen in MES/SCADA-Systemen oder ungesicherte File-Shares. Auch Insider mit zu weitreichenden Rechten oder Shared Accounts erhöhen das Risiko eines Datenabflusses. Ohne gezielte Schutzmaßnahmen droht der Verlust des Geheimnisschutzes nach GeschGehG, verbunden mit Verstößen gegen NIS2-Anforderungen und erheblichen Compliance- und Haftungsfolgen.

    Schutzmaßnahmen und Strategien

    Zur Sicherung dieser geschäftskritischen OT-Bereiche sind abgestimmte, mehrschichtige Sicherheitsmaßnahmen erforderlich:

    • OT-Segmentierung und Zugriffskontrolle: Zur Absicherung der digitalen Rückverfolgbarkeit sowie bei Qualitätskontrolle und Prozessüberwachung greifen klassische IT-Sicherheitsmaßnahmen zu kurz. Segmentierte Netzwerke mit industriellen Firewalls trennen IT, OT sowie Steuerungsebenen und begrenzen Angriffsflächen, während rollenbasierte Zugriffe ohne Shared Accounts, mit MFA und zeitlich begrenzter Fernwartung, Vier-Augen-Prinzip, Versionskontrolle und Change-Logging Manipulationen verhindern und für mehr Transparenz in produktionskritischen Systemen sorgen.
    • Datensicherung und Integritätsschutz: OT-spezifische Backup- und Restore-Konzepte sichern MES-, Historian- und PLC-Daten. Integritätsmechanismen wie Checksummen, digitale Signaturen und manipulationsresistente Logs gewährleisten Beweisfähigkeit und Audit-Fähigkeit von Rückverfolgbarkeits- und Qualitätsdaten.
    • Überwachung und Anomalieerkennung: Passive OT-Monitoring-Systeme erkennen Manipulationen an Prozessparametern oder Kommunikationsmustern frühzeitig, während Network Intrusion Detection und Anomalieanalyse im IoT-Datenverkehr kompromittierte Geräte oder unautorisierte Verbindungen aufdecken und so die Cyberresilienz der Qualitätskontrollen und damit unmittelbar die Produktsicherheit stärken.
    • Zero Trust-Architektur und IoT-Resilienz: IoT-Geräte sollten in einer eigenen, segmentierten IoT-Zone mit DMZ betrieben, strikt von IT- und OT-Netzen getrennt und nur über definierte, abgesicherte Datenflüsse mit SCADA, MES oder Cloud-Systemen verbunden. Ein Zero-Trust-Ansatz mit eindeutiger Geräteidentität, starker Authentifizierung und minimalen Kommunikationsrechten verhindert unautorisierte Zugriffe. Ergänzend sorgen verschlüsselte Protokolle, strukturierte Patch- und Lifecycle-Prozesse sowie Monitoring und Anomalienerkennung für Transparenz – damit IoT Effizienz steigert, ohne zum Sicherheitsrisiko zu werden.
    • Absicherung von Etikettier- und Qualitätssystemen: Eine konsequente Trennung von Erstellung, Freigabe und Produktion stellt sicher, dass jede Änderung nachvollziehbar bleibt, während revisionssicheres Logging für dauerhafte Transparenz sorgt. Automatisierte Prüfungen mit Kamera- und Barcode-Systemen erkennen Abweichungen sofort und stoppen fehlerhafte Produkte, bevor sie das Werk verlassen. Ergänzend gewährleisten strukturierte Backup- und Wiederherstellungspläne für Layouts, Stammdaten und Konfigurationen, dass der Betrieb selbst bei Störungen oder Angriffen stabil bleibt.
    • Schutz von Rezepturen und Know-how: Zentrale Rezepturserver in gesicherten DMZ-Zonen, kombiniert mit Verschlüsselung und klar definierten Zugriffskontrollen, verhindern unautorisierte Zugriffe und Datenabfluss. Präzise Rollen- und Rechtekonzepte steuern, wer Rezepturen einsehen, ändern oder exportieren darf, und sichern so den Status als Geschäftsgeheimnis. Darüber hinaus schärfen regelmäßige Security-Awareness-Trainings das Bewusstsein der Mitarbeitenden für Phishing-, Social-Engineering- und Insider-Risiken – und bilden die menschliche Schutzschicht rund um das wertvollste Unternehmenswissen.

    www.prozesstechnik-online.de

    Suchwort: Infinigate

    Autor: Patrick Scholl

    Director OT CoE,

    Infinigate

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