Lebensmittelproduzierende Unternehmen treiben Retrofit, Digitalisierung und die enge Verzahnung von IT und OT voran, um Effizienz, Transparenz und Qualitätssicherung in der Produktion massiv zu steigern. Gleichzeitig werden ehemals isolierte Anlagen zu Bestandteilen vernetzter Infrastrukturen – und damit zu potenziellen Zielen für Cyberangriffe. OT-Security wird damit zum unverzichtbaren Baustein von Produktionssicherheit, Qualitätsmanagement und Resilienz.
Besonders in der Food-&-Beverage-Industrie entscheidet OT direkt über Qualität, Rückverfolgbarkeit, korrekte Etikettierung und den Schutz sensibler Rezepturen, sodass ein Cyberangriff die Verkehrsfähigkeit von Lebensmitteln und ganze Lieferketten beeinträchtigen kann. OT Security ist damit kein „nice to have“ der IT, sondern ein integraler Bestandteil von Produktionssicherheit, Qualitätssicherung und Business Continuity Management. Eine NIS2/BIS-G konforme und konsistente OT-Security-Architektur, orientiert an Standards wie IEC 62443 und BSI-Empfehlungen, schafft die Grundlage, Digitalisierung und Automatisierung in der Lebensmittelproduktion beherrschbar und sicher zu betreiben. Fünf besonders kritische Bereiche stehen in der Food- und Beverage-Industrie im Fokus.
Schwachstelle Rückverfolgbarkeit
Die Rückverfolgbarkeit ist in der Food- und Beverage-Industrie ein geschäftskritischer Kernprozess mit direkter Auswirkung auf Produktsicherheit, Haftung und Markenvertrauen. Unternehmen müssen lückenlos nachweisen können, woher Rohstoffe stammen, über welche Linien und Prozessschritte sie gelaufen sind, mit welchen Rezepturen und Parametern produziert wurde und an welche Abnehmer welche Chargen ausgeliefert wurden. Die dafür nötigen Daten entstehen primär in der OT und sind äußerst attraktiv für Cyberkriminelle: SPS/PLC erfassen Prozessparameter, Scada/HMI visualisieren und steuern, MES bildet Chargenlogik und Historian-Systeme speichern Langzeitdaten, die wiederum in ERP, QS- und Compliance-Systeme einfließen. Werden Chargen-IDs, Zeitstempel oder Rezepturparameter manipuliert oder Prozessschritte gelöscht, sind Rückverfolgbarkeitsdaten nicht mehr auditfest. Bei Ransomware-Befall von MES-, Historian- oder Industrial-PC-Systemen gehen Daten ganz oder teilweise verloren, sind verschlüsselt oder zeitlich inkonsistent. In der Folge könnten selbst physisch einwandfreie Waren rechtlich als nicht verkehrsfähig gelten, Produktfreigabe, Compliance und Lieferfähigkeit geraten unmittelbar unter Druck.
Schwachstelle Qualitätsüberwachung
Die Qualitätsüberwachung erfolgt kontinuierlich während des Prozesses: Parameter wie Temperatur, Druck, pH-Wert, Leitfähigkeit, Füllstand, Gewicht, Durchfluss, Viskosität sowie optische Kriterien – etwa Füllhöhe oder Etikettierung – fließen in SPS/PLC-, Scada/HMI- und MES-Systeme ein, die automatisiert über Freigabe, Sperrung, Nachbearbeitung oder Ausschuss eines Produktes entscheiden. So könnten manipulierte Soll- und Grenzwerte, deaktivierte Alarme oder verfälschte Messdaten dazu führen, dass fehlerhafte Ware als „in Ordnung“ deklariert wird. Zudem erhöhen Ransomware und gezielte OT-Angriffe das Risiko gravierender Prozessstörungen – von Kreuzkontamination über unzureichende Reinigung bis hin zu nachhaltigen Qualitätsproblemen.




