Thermische Verfahren zur Keimreduktion gehören zu den ältesten und zugleich am besten standardisierten Methoden der Lebensmitteltechnik. Ob Milch, Fruchtsaft, Bier, Fleischkonserven oder Babynahrung – in nahezu allen Segmenten der Lebensmittel- und Getränkeindustrie kommen Pasteurisierung oder Sterilisation zum Einsatz, um mikrobiologische Sicherheit und definierte Mindesthaltbarkeit zu gewährleisten. Dabei unterscheiden sich beide Verfahren grundlegend in Temperaturregime, Zielsetzung und dem Einfluss auf Produktqualität. Die Wahl des richtigen Verfahrens ist eine ingenieurstechnische Entscheidung, die Mikrobiologie, Produktchemie, Verpackungsphysik und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen berücksichtigt.
Grundlage beider Verfahren ist die thermische Inaktivierung von Mikroorganismen. Die Abtötungskinetik folgt einem logarithmischen Gesetz: Bei konstanter Temperatur sinkt die Zahl lebender Keime je Zeiteinheit um einen konstanten Faktor – beschrieben durch den sogenannten D-Wert (Dezimalreduktionszeit). Der Z-Wert gibt an, um wie viele Grad Celsius die Temperatur erhöht werden muss, damit der D-Wert um den Faktor 10 sinkt. Aus diesen beiden Größen leitet sich der F-Wert ab, der die kumulierte letale Wirkung eines gesamten Temperaturprofils beschreibt und als zentrale Prozesskenngröße in der Konserventechnologie gilt.
Pasteurisierung: Ziele, Temperaturbereiche und typische Anwendungen
Die Pasteurisierung – benannt nach Louis Pasteur – zielt darauf ab, vegetative pathogene Keime sowie einen Großteil der verderbauslösenden Mikroorganismen abzutöten, ohne das Produkt vollständig zu sterilisieren. Typische Temperaturbereiche liegen zwischen 62 °C und 95 °C, die Haltezeit variiert je nach Verfahren von wenigen Sekunden bis zu 30 Minuten. Man unterscheidet die Niederpasteurisierung (auch Dauererhitzung, z. B. 63 °C / 30 min), die Kurzzeiterhitzung (HTST: 72–75 °C / 15–25 s) und die Hochpasteurisierung (bis 85 °C / wenige Sekunden).
In der Milchwirtschaft ist die HTST-Pasteurisierung der Standard für Frischmilch; sie inaktiviert zuverlässig Mycobacterium tuberculosis und Listeria monocytogenes, lässt aber hitzeresistente Sporen intakt. In der Brauerei schützt die Tunnelpasteurisierung oder die Flash-Pasteurisierung abgefülltes Bier vor Nachgärung und mikrobiologischem Verderb, ohne Aroma und Schaumstabilität nennenswert zu beeinträchtigen – sofern der Pasteurisierungseinheitenwert (PE) produktspezifisch optimiert wird. Für Fruchtsäfte mit niedrigem pH-Wert (unter 4,5) reichen vergleichsweise moderate Temperaturen aus, da das saure Milieu das Wachstum pathogener Keime zusätzlich hemmt.
Der wesentliche Vorteil der Pasteurisierung liegt im schonenden Umgang mit hitzelabilen Inhaltsstoffen: Vitamine, Aromastoffe und funktionelle Proteine bleiben weitgehend erhalten. Die Produkte erfordern jedoch in der Regel Kühlkettenlagerung und weisen eine begrenzte Haltbarkeit von Tagen bis wenigen Wochen auf.




