Hubert Flaig
Das Produktsicherheitsgesetz von 1997 verpflichtet alle Hersteller von Gebrauchs- und Verbrauchsgütern dazu, nur sichere Produkte in den Verkehr zu bringen. Um eine Gefährdung der Gesundheit und Sicherheit von Verbrauchern auszuschließen, sind die Behörden sogar ermächtigt, den Rückruf unsicherer Produkte anzuordnen oder selbst durchzuführen.
Besondere Aufmerksamkeit erfährt das Thema Produktrückruf immer wieder dann, wenn es um mangelhafte Produkte aufgrund von Herstellungsfehlern oder gar um Erpressung geht. Dann hilft nur schnelles Handeln, um wirtschaftliche Verluste und Schäden am Firmen- oder Markenimage zu vermeiden. Vor allem Lebensmittel- und Getränkehersteller waren in der Vergangenheit die Hauptbetroffenen und Geschädigten.
Als zertifiziertes Unternehmen hat man bei der Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH vorbildlich agiert. Frühzeitig wurden Anstrengungen unternommen, alle Produkte mit einer Codierung zu versehen, die eine lückenlose Produktverfolgung bis ins Regal beim Handel zulassen sollte.
„Der Druck wurde aber nicht nur seitens des Handels bezüglich des Produktrückrufs erzeugt. Es besteht auch eine Auskunftspflicht der Veterinärbehörde gegenüber, die im Krisen- oder Ernstfall wissen will, wohin welche Ware geliefert worden ist“, erklärt Ralf Fuhs, Werksleiter der Hochwald-Werke in Erftstadt und Hillesheim.
Eine manuelle Etikettierung im 3-Schichtbetrieb wurde bei Hochwald von vorne herein ausgeschlossen. Die ersten Überlegungen für eine automatisierte Lösung wurden aus Kostengründen ebenso verworfen.
„Diese ersten Ideen der Produktverfolgung über die einzelnen Linien hin zum Etikettierer wurden aufgrund der Produktvielfalt schnell wieder aufgegeben“, erinnert sich Abteilungsleiter Jürgen Werner, verantwortlich für die Palettieranlage im Werk Erftstadt. „Das hätte bedeutet, jede Produktlinie mit Etikettiersystemen auszurüsten. Bei etwa 350 verschiedenen Produkten ist der Aufwand dabei sehr hoch. Man denke nur an Wartung und Instandhaltung, an Verbrauchsmaterial – Etiketten, Carbonband etc.“
Bei einem täglichen Ausstoß von 1500 Paletten – das sind ca. 100 pro Stunde – verlangt das Chaos in der Palettieranlage, auch hin und wieder ein Eingreifen in das Geschehen. Kondensmilch in vielen Varianten, Sprühsahne in vielen Sorten, Kaffeesahne in Portionspackungen und Kännchen, H-Milch und Milchmischgetränke laufen über die Anlage in Erftstadt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Produkte mit einem falschen Label auf falsche Paletten geraten könnten, wollte man daher von vorne herein ausschließen.




