Matthias Saß
Messbarer Gesundheitsnutzen bedeutet, dass der Konsum eines Produktes zu einem messbaren positiven Einfluss auf einen Biomarker führt. Dies kann die Senkung des Cholesterinspiegels durch den Einsatz von Phytosterolen sein, aber auch die langfristige Präventation von Augenkrankheiten durch den regelmäßigen Konsum von Produkten mit luteinhaltigen Rohstoffen oder die immunstimulierende Wirkung von kombinierten Frucht- und Pflanzenextrakten. Der Verbraucher erwartet von der Lebensmittelindustrie glaubwürdige Produkte – und die Industrie ist aufgefordert, dieser Erwartung gerecht zu werden.
Seit dem Beginn der Diskussion um die wissenschaftlichen Grundlagen zu Functional Food in Europa [1] wird der wissenschaftlichen Beweisführung große Bedeutung zugemessen. Im Passclaim-Projekt [2] wurden dazu auch die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeitet. Um die wissenschaftliche Literatur zu einem Thema bewerten zu können, haben sich andere Arbeiten mit der Einordnung der „wissenschaftlichen Wertigkeit“ von Studienergebnissen [3] beschäftigt. Die Hürden für wissenschaftlich gesicherte Nachweise sind hoch. Durch die Veröffentlichung der so genannten Claims-Verordnung (EG 1924/ 2006) wurde eine europaweit einheitliche wissenschaftliche Bewertung und Beweisführung von Claims – also produktbezogenen Angaben – auch rechtlich verbindlich vorgeschrieben. Obwohl im Detail noch nicht klar ist, wie die Behörden die Bewertung von Claims vornehmen werden, ist ein wissenschaftlich hoher Standard anzusetzen. Daher ist es für innovative Konzepte unvermeidlich, auf wissenschaftliche Studien zur Beweisführung des gesundheitlichen Nutzens zurückzugreifen oder diese selbst durchzuführen.
Wild war eines der ersten Unternehmen der Ernährungsindustrie, das bereits im Jahr 2000 damit begonnen hat, unter dem Titel Measurable Health Produkte mit einem messbaren Gesundheitsnutzen zu entwickeln und diese Erzeugnisse auf ihre Wirksamkeit wissenschaftlich zu testen.
Ein Beispiel für den Nachweis einer positiven Wirkung sind Messungen des glykämischen Indexes (GI) von Lebensmitteln. Er beschreibt die Auswirkungen der Kohlenhydrate des Lebensmittels auf den menschlichen Blutzuckerspiegelverlauf nach dessen Verzehr (postprandiale Blutglucosekurve). Er stellt somit ein aussagekräftiges Instrument zur Qualitätsbeschreibung von Kohlenhydraten in Lebensmitteln dar und unterstreicht die Tatsache, dass Lebensmittel unterschiedlich vom Körper verarbeitet werden. Ein Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index lässt den Blutzuckerspiegel moderat an- und absteigen sowie länger auf konstantem Niveau verweilen. Starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels werden mit einer niedrig glykämischen Ernährung vermieden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Food and Agriculture Organization (FAO) empfehlen bereits seit einigen Jahren, dass die Bevölkerung der Industrienationen ihre Ernährung auf der Grundlage von niedrig glykämischen Lebensmitteln aufbauen soll, um Zivilisationskrankheiten vorzubeugen.




