Lars Plüschau
Produktdimensionen von ca. 2 bis 59 mm Durchmesser, selbstverständlich auch eckig, in Dicken bis zu ca. 30 mm, Ausbringung bis zu 1,5 Mio. Stück pro Stunde: Die moderne Tablettiertechnik ist sehr produktiv und breit einsetzbar. Da der Standard der Pressen für die pharmazeutische Industrie entwickelt wurde, sind sie ohne jede Einschränkung auch in der Nahrungsmittelproduktion einzusetzen. Verpresst werden können im Prinzip alle Pulver und Granulate, die eine gewisse Rieselfähigkeit aufweisen. Aber hier fängt das Fachwissen auch schon an.
Grundvoraussetzung für einen Pressversuch im Technikum ist ein Datensicherheitsblatt mit den gängigen, notwendigen Inhalten, über den oder die Stoffe, die von den einschlägigen Institutionen (z. B. BG Chemie) festgelegt sind. Welche Eigenschaften hat der Stoff, wie ist er zu behandeln, wie reagiert er mit anderen Stoffen, wie ist er zu entsorgen usw. Das ganze mindestens in Englisch, besser in Deutsch.
So gut wie alle Produkte in diesem Bereich bestehen aus einem Trägermaterial und einem Wirkstoff. Die Trägermaterialien können z. B. sein Lactose (Milchzucker, etwa bei 80 % der gängigen Produkte) Sorbit, Fructose, weitere Füllstoffe, z. T. sogar Zellulose. Die großen Erfahrungen des Technikums führen regelmäßig relativ schnell zu Ergebnissen. Als besonders interessant betrachtet man deshalb hier die Tests für echte Produkt- oder Grundstoffinnovationen.
Eine echte Grenze ist neben den genannten Dimensionen und den Voraussetzungen für die Verarbeitbarkeit bis jetzt nur die Axialsymmetrie der Produktform – „um die Ecke pressen“ scheitert einfach an der Physik. Gemeinsam mit Kunden wurden im Technikum schon zweischichtige Brausetabletten entwickelt, bei denen die einzelnen Schichten Stoffe enthielten, die mit verschiedenen Zerfallszeiten frei werden sollten. So können z. B. über mehrschichtige Produkte Stoffe zusammengebracht werden, die zusammen sich schlecht verpressen lassen oder erst bei der Lösung aufeinander reagieren sollen. Hier wird also erst durch die Pressversuche erkennbar, ob ein Produkt überhaupt herstellbar ist. Eine andere Testproduktion galt einem Kaugummi in zwei Schichten, bei dem die zweite Schicht schwerer löslich war und dadurch ein längerer Kaugenuss erreicht bzw. eine zweite Geschmacksrichtung freigesetzt wurde.
Fette hat dazu im Technikum die gesamte Reihe der eigenen Standardpressen, 102i, 2090i, 3090i im Einsatz, dazu die Washing in Place (WiP)- und Containment-Pressen 1090i WiP, 2090i WiP und 3090i WiP. Nach Absprache sind natürlich auch Tests auf allen anderen Fette-Pressen möglich. Weiter stehen selbstverständlich alle klassischen Laboreinrichtungen wie z. B. für Fließverhaltenstest mit Böschungswinkelprüfung, Korngrößenbestimmung über Siebanalyse, Schüttgewichtfeststellung und Restfeuchtebestimmung bereit. Dazu auch Wärme-öfen zum Sintern und ggf. reduzieren der Restfeuchte. Verschiedene Mischer sind vorhanden, um eventuell den Basismaterialien noch notwendige Gleit- oder Bindemittel beizugeben oder aber von den Anwendern mitgebrachte Stoffe auf Verpressbarkeit zu mischen. Des Weiteren Exzenterpressen für Grundlagenversuche, Zerfallstester, Abriebtester und Härteprüfgeräte für die gepressten Produkte.




