Mit der neuen EU-Verpackungsverordnung PPWR geraten Unternehmen zunehmend unter Druck. Doch bei Verpackungsmaterialien gilt: „Nachhaltig“ heißt nicht automatisch „recyclingfähig“. Philippe Blank, Head of Circular Economy bei Henkel, spricht darüber, wie sich Recyclingfähigkeit in der Praxis sicherstellen lässt.
Herr Blank, die EU-Verpackungsverordnung PPWR sorgt aktuell in der Branche für viel Bewegung. Was bedeutet sie konkret für Unternehmen?
Philippe Blank: Recyclingfähigkeit ist längst kein reines Umweltargument mehr – was früher ein freiwilliges Nachhaltigkeitsziel war, wird jetzt zur Pflicht. Die PPWR der EU setzt klare Vorgaben: Verpackungen werden in Recyclingfähigkeitsklassen (A, B, C) eingeteilt. Ab 2030 dürfen nur noch solche Verpackungen in Verkehr gebracht werden, die zu mindestens 70 % recyclingfähig sind. Bis 2038 steigt diese Anforderung auf 80 %.
Noch ist allerdings nicht eindeutig definiert, wie diese Prozentsätze genau ermittelt werden. Das sorgt verständlicherweise für Unsicherheit in der Industrie. Aber eines ist klar: Wer sich frühzeitig mit diesen Anforderungen auseinandersetzt, vermeidet nicht nur regulatorische Risiken, sondern kann sich auch einen Marktvorteil sichern.
Neben den gesetzlichen Vorgaben wächst auch der Druck aus der Wirtschaft selbst. Wie spüren Sie das?
Blank: Ganz deutlich. Große Handelsunternehmen wie DM, Aldi oder Tesco haben eigene Anforderungen an die Recyclingfähigkeit eingeführt. Gleichzeitig honoriert auch der Kapitalmarkt nachhaltige Verpackungslösungen: Unternehmen mit hoher Recyclingfähigkeit verbessern ihr ESG-Rating, erleichtern sich den Zugang zu Investitionen und werden für Verbraucher attraktiver, die sich bewusst für nachhaltige Produkte entscheiden.
Im Zuge dessen gewinnen vor allem faserbasierte Verpackungen an Bedeutung. Halten diese ihr Versprechen?
Blank: Die Kreislaufwirtschaft ist zum Leitgedanken einer nachhaltigeren Verpackungsindustrie geworden, in der vor allem faserbasierte Verpackungen wie Papier, Karton und Pappe an Bedeutung gewinnen. Sie sind biobasiert, weit verbreitet und weisen hohe Recyclingquoten auf, sind aber nicht per se die optimale Lösung. Fehlende Barriereeigenschaften, etwa gegen Feuchtigkeit, Fett oder Sauerstoff, schränken ihre Einsatzmöglichkeiten ein, und Materialkombinationen wie Kunststoff- oder Aluminiumbeschichtungen, die für den Produktschutz notwendig sind, können die Recyclingfähigkeit vermindern. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Verpackungslösungen zu finden, die sowohl praktikabel sind als auch den steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen der EU entsprechen.




