Der wichtigste Unterschied zwischen Reindampf und normalem Prozessdampf (Schwarzdampf) rührt aus der Erzeugung: Bei Reindampf wird besonders aufbereitetes Wasser verwendet und alle verwendeten Werkstoffe sowohl für den Dampferzeuger als auch für Rohrleitungen und Zubehör, die mit dem Wasser und dann Dampf in Berührung kommen, sind aus Edelstahl. Auch wenn der Begriff Reindampf je nach Anwendung unterschiedlich spezifiziert wird – die Lebensmittelindustrie spricht auch vom kulinarischen Dampf – beinhaltet doch die für den klinischen Bereich zuständige Norm EN 285 die wichtigsten Kriterien.
Typische Einsatzfälle für Reindampf in der modernen Prozesstechnik sind die Produktion medizinischer Güter, die Sterilisation, beispielsweise von Operationsbesteck, die Luftbefeuchtung in Klimaanlagen, die Produktbefeuchtung, beispielsweise von Backwaren, Fleisch- und Wurstwaren, und die Erzeugung steriler Atmosphäre in der Lebensmittelindustrie. Das Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin in Münster beispielsweise beschäftigt sich mit Aspekten der Zell- und Entwicklungsbiologie. Forschungsgebiete sind die Migration von Leukozyten in entzündetem Gewebe, die Entwicklung der Keimbahn, die Entstehung von Organen und das Zusammenwirken von Blutgefäßen und Gewebsumgebung. Bei den Forschungsarbeiten werden Tierversuche durchgeführt. Um für stetig gleich bleibende Bedingungen zu sorgen, ist einiger Aufwand notwendig. Das Tierfutter muss sterilisiert werden, um zu verhindern, dass Fremdkeime eingetragen werden. Versuchslabors, aber auch die Tierhaltung selbst muss klimatisiert werden, um den Tieren optimale Lebensbedingungen zu bieten und auch den Keimeintrag über die Lüftungsanlage zu verhindern. Die ganze Anlagenausrüstung im Max-Planck-Institut ist dabei ähnlich aufgebaut wie in der pharmazeutischen Produktion oder in den sensiblen Bereichen der Lebensmittelindustrie. Reindampf ist für die oben beschriebene Aufgabe besonders geeignet, da er aufgrund seiner möglichen Temperatur a priori steril ist und das Wasser für die Reinstdampferzeugung so aufbereitet wird, dass kein Eintrag von Fremdstoffen oder Chemikalien stattfindet. Die Sterilisation mit Reindampf hat zudem den Vorteil, dass nicht nur die Temperatur (wie bei heißer Luft oder heißen Gasen) sterilisierend wirkt, sondern der direkte Wärmeübergang zwischen kondensierendem Reindampf und Mikroorganismen.
Im Max-Planck-Institut wurden die verschiedenen Prozesse redundant ausgeführt, sodass immer sichergestellt ist, dass der Betrieb unterbrechungsfrei erfolgen kann. Spirax Sarco hat die Anlagenausrüstung beginnend bei der Kostenschätzung über erste Planungsvorschläge bis hin zur Detailplanung begleitet. Alle Anlagenteile wurden aus einer Hand geliefert, auch für die Wartung stehen die Fachleute zur Verfügung.
Der Neubau des Max-Planck-Instituts wurde mit zwei Viessmann-Dampfkesseln Vitomax 200 HS ausgerüstet. Die Gesamtleistung pro Kessel beträgt 1200 kg/h Schwarzdampf bei einem Druck von 8,5 barü. Beide Kessel wurden für den Betrieb ohne Beaufsichtigung (BOB) 72 Stunden nach TRD 604 ausgerüstet. Die Peripherie um die Dampferzeuger, z. B. die Abschlammkühler, um die Abschlammwässer in die Kanalisation entsorgen zu können oder die Entgasung für das Kesselspeisewasser, wurden von Spirax Sarco ausgelegt und ausgerüstet. Eine maximale Abwassertemperatur von 35 °C wird durch Frischwasserzuspeisung, geregelt über eine Temperaturregelung ohne Hilfsenergie, gewährleistet. Eine energetische Verwendung der anfallenden heißen Wässer ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, da die anfallenden Mengen zu klein sind.




