Steigende Energiekosten und die CO2-Bepreisung machen nachhaltige Lösungen unverzichtbar. Bei Gäubodenkräuter im niederbayerischen Straubing wurde eine bestehende Trocknungsanlage auf Wärmepumpentechnik umgerüstet – mit großem Erfolg: Der Energieverbrauch sank deutlich, während die Produktqualität spürbar stieg.
Gäubodenkräuter verarbeitet Kräuter und verkauft diese an Lebensmittelhersteller weiter. Petersilie, Schnittlauch und vieles mehr erwirbt Gäuboden aus der regionalen Landwirtschaft. In der Produktion werden die wertvollen Kräuter geschnitten, getrocknet und verpackt. Der bestehende Trockner war zwar voll funktionstüchtig, die Energiequelle jedoch – Gas – wurde immer teurer. Richard Bachl, Geschäftsführer bei Gäubodenkräuter, berichtet: „Wir hielten nach energieeffizienten Möglichkeiten Ausschau und wollten mit einer zeitgemäßen Trocknung in die Zukunft gehen.“
Retrofit ist ein Konzept mit Zukunft
Auf der Anuga Foodtec entstand der Kontakt zwischen Gäuboden und dem Trocknerhersteller Harter aus Stiefenhofen im Allgäu. Harter entwickelte bereits vor über 30 Jahren eine Kondensationstrocknung auf Basis einer Wärmepumpe und optimierte diese über die Jahrzehnte permanent. Seit vielen Jahren wird diese effiziente Art der Trocknung auch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Bisher handelte es sich jedoch immer um Neuanlagen. Erstmalig realisierte Harter nun einen Retrofit. Damit sieht der innovative Trocknerhersteller ein Konzept für die Zukunft, denn viele Hersteller haben gute Trockner im Einsatz und es gibt keinen Grund, daran zu rütteln. Unter bestimmten Umständen ist es möglich, die bestehende Energiequelle abzuschalten und auf Wärmepumpentechnik umzurüsten. Es ist immer eine Einzelfallbetrachtung. Im hauseigenen Technikum führt Harter Versuche für Interessenten durch. Zu dieser Dienstleistung gehören auch Leihanlagen, mit denen Trocknungstests vor Ort durchgeführt werden. Auch der Bau ganz individueller Testtrockner ist manchmal Teil der Vorgehensweise.
So war auch das Prozedere bei Gäubodenkräuter. Erste Tests liefen mit Kapuzinerkresse in einem kleinen Kompakttrockner. Anschließend führten Harter und Gäuboden weitere Versuchsreihen vor Ort in Straubing durch. Hier konnten nun die relevanten Parameter realitätsnah ermittelt werden, denn die Kräuter konnten direkt aus den Vorprozessen entnommen werden. Temperatur und Zeit sind primäre Faktoren bei der Trocknung. Luftvolumenstrom, Luftgeschwindigkeit und Luftführung sind ebenso wichtige Einflussgrößen. Am Ende braucht es ein perfektes Zusammenspiel aller, um eine erfolgreiche Trocknung zu realisieren.
Geschlossener Luftkreislauf
Der bei Gäubodenkräuter vorhandene Trockner war ein Sieben-Band-Trockner mit jeweils 12 m Bandlänge. Circa 1250 kg Petersilie oder Schnittlauch, die Hauptprodukte, werden pro Stunde durch den Trockner gefahren. Die bisherige Temperatur lag durchschnittlich bei 100 °C. Als Energiequelle nutzte Gäubodenkräuter einen Gasbrenner. Ungefähr 1900 kW Gas waren notwendig, um den Trockner zu betreiben. So waren sowohl der Verbrauch als auch die hohen Temperaturen ein zu optimierendes Thema. Teil des Trockners war zudem ein Filter, der regelmäßig gewechselt werden musste. Ihn auszutauschen war ein mühseliges Unterfangen, denn der Kräuterproduzent musste dazu den Bandtrockner für längere Zeit außer Betrieb nehmen.




