Etwa 140 000 Imker pflegen hierzulande ungefähr eine Million Bienenvölker – mit bis zu 505000 Tieren pro Volk. Hauptberuflich arbeiten davon jedoch nur etwa 2000 bis 3000 Imker. China ist mit einer Jahresproduktion von fast 500 000 t der mit deutlichem Abstand größte Honigerzeuger weltweit. 150 000 t des chinesischen Honigs sind für den Export bestimmt. Die extrem hohen Produktionsmengen in China legen – gemessen an der Zahl der dort vorhandenen Bienenvölker – aus der Sicht von Experten den Verdacht auf illegale Praktiken nahe. Dazu zählt unzulässiges Strecken des Honigs mit Sirup ebenso wie Ernte von noch unreifem Honig mit bis zu 30% Wassergehalt. Zu früh geerntetem Honig fehlen die natürlichen Enzyme, die die Bienen während der Honigtrocknung dem Nektar normalerweise zufügen. Zu hoher Wassergehalt, fehlende Enzyme und die oft langen Transportwege in China führen zu Hefebildung, sodass der Honig zu gären beginnt. Diese Gärung wird in den dortigen Honigfabriken unterbrochen, indem der Honig maschinell auf ein zulässiges Maß getrocknet wird und Hefen sowie andere Verunreinigungen durch ultrafeine Filterung entfernt werden. All das ist illegal und derart erzeugter Honig darf in Europa nicht verkauft werden – vorausgesetzt, die Panscherei und unzulässige Verarbeitung können nachgewiesen werden.
Fälschungen auf der Spur
Nach Angaben des Deutschen Berufsimkerverbunds gehört Honig zu den weltweit am meisten verfälschten Lebensmitteln. Untermauert wird dies durch eine EU-Untersuchung im Jahr 2022: Fast die Hälfte aller untersuchten Honigproben war mit Zuckersirup versehen, Deutschland als Weltmeister im Honigverzehr war davon besonders stark betroffen. Mit gängigen Untersuchungen sind diese Fälschungen immer schwerer zu entdecken. Akkreditierte Honiglabore und Honigfälscher liefern sich hier einen erbitterten Wettstreit. In Deutschland produzierter Honig unterliegt ebenso wie Importhonige, die in Deutschland verkauft werden, den strengen Vorgaben der Deutschen Honigverordnung (HonigV) und der EU-Honigrichtlinie. Qualitätsparameter laut HonigV sind Zuckergehalt und -anteile, Wassergehalt, elektrische Leitfähigkeit, Säuregrad sowie Anzahl und Aktivität honigeigener Enzyme. Nach der HonigV darf Honig nur geerntet werden, wenn sein Wassergehalt unter 20% liegt. Der Deutsche Imkerbund beschränkt den für die Vermarktung erlaubten Wassergehalt sogar auf maximal 18%. Zudem darf dem Honig nichts hinzugefügt oder entzogen werden.
Engmaschige Kontrolle und Überwachung
Auch der Herstellungsprozess unterliegt von der Reinigung durch Sieben über Rühren und Mischen bis hin zum Abfüllen in Transportbehälter strengen lebensmittelrechtlichen Vorgaben. Zertifizierte Honiglabore unterziehen Honige aufwendigen chemischen, sensorischen, physikalischen, molekularbiologischen und mikrobiologischen Analysen, um ihre Authentizität, Qualität und Reinheit zu überprüfen. Große Honigproduzenten wie der deutsche Marktführer aus Schleswig-Holstein orientieren sich streng an diesen Leitsätzen. Er bezieht naturreine Honige von ausgewählten Imkereien aus Europa, Mittel- und Südamerika. Jede Lieferung wird einer sorgfältigen Eingangskontrolle unterzogen. Dafür wird aus jedem Behälter eine Probe für das Labor gezogen und mit modernster Technik im firmeneigenen Labor und von externen Prüfinstituten analysiert. So wird sichergestellt, dass alle Honige unabhängig von ihrer Herkunft der Deutschen HonigV entsprechen. Jede Charge erhält eine Nummer mit Angabe von Honigsorte und Herkunft.




