Klaus Delventhal
Spätestens am 1.1.2005 wird das Thema Rückverfolgbarkeit der Herstellungsbedingungen mit dem Inkrafttreten der EU-Verordnung 178/2002 zum Pflichtthema der europäischen Ernährungsindustrie. Im Interesse der EU liegt es, mit dieser Verordnung die Lebensmittelsicherheit zu erhöhen und das durch Lebensmittelskandale gestörte Verbrauchervertrauen zurückzugewinnen. Doch auch große Handelsunternehmen fordern internationale Sicherheitsstandards für Unternehmen, die den Handel mit Eigenmarken beliefern. So muss beispielsweise ein Unternehmen den Weg eines Erzeugnisses – sowohl entgegen des Produktstroms zurück bis zum Rohstofflieferanten als auch entlang des Produktionsstromes in den Markt hinein – nachweisen können. Um diese Anforderungen erfüllen zu können, müssen die Arbeitsabläufe in der Produktions- und der Qualitätssteuerung lückenlos ausgewertet werden. Neben einem Chargier- und Rezeptursystem mit Lagerverwaltung bedarf es hier auch einer Anbindung an Manufacturing-Execution-Systeme (MES) und Enterprise-Resource-Management-Systeme (ERP) wie SAP/R3. Die MES bilden dabei die Schnittstelle zwischen den historisch gewachsenen Informationsinseln im Produktionsprozess und in der gesamten Wertschöpfungskette wie beispielsweise Logistik, Rezepturverwaltung, Betriebsplanung und Anlagenüberwachung. Doch bisher steuern immer noch einzelne Sys-temlösungen die vorhandenen Anlagen. An den Schnittstellen kommt es immer wieder zu Störungen, die den Ablauf beeinträchtigten und damit zu Produktionsverzögerungen führen.
Siemens bietet jetzt mit Simatic IT eine durchgängige MES-Lösung, die neben der eigentlichen Produktionsplanung und -steuerung von Batches auch Materialmanagement und Tracking & Tracing mit hundertprozentiger Chargenrückverfolgung umfasst. Schon bei der Anlieferung der Rohwaren und Vorprodukte werden die Anlieferungen kontrolliert und papierlos erfasst. Sofern der Lieferant nicht bereits die entsprechenden Garantien und Daten beigelegt hat, werden entsprechende Proben gezogen und die Ergebnisse gespeichert. Bei der Produktion müssen umfangreiche Spezifikationen – in Bezug auf Produktionsverfahren und Produktionsschritte – dokumentiert und verfügbar gemacht werden. Bei der Bearbeitung eines Batch sind eine Vielzahl vorhandener und neu entstehender Daten zu dokumentieren und zusammenzuführen. Dies beginnt bei Soll-Ist-Vergleichen der Rezepturen.
Simatic IT Interspec verwaltet Spezifikationen, Normen und Methoden in einer Datenbank. Dabei sichert die integrierte Versionskontrolle die Konsistenz der Daten über die gesamte Wertschöpfungskette. Notwendige Änderungen können so zentral vorgenommen werden. Historische und zukünftige Daten lassen sich berechnen. Durch die automatische Aktualisierung stehen allen beteiligten Stellen im Unternehmen die gleichen Informationen zeitnah zur Verfügung. Änderungen lassen sich über den gesamten Lebenszyklus der Spezifikation verfolgen.




