Der Gesundheitsaspekt gewinnt bei Nahrungsmitteln immer größere Bedeutung. Das am 28. und 29. Februar von J. Rettenmaier und Söhne (JRS) in Dresden veranstaltete Symposium widmete sich daher im Besonderen den Themen Gesundheit und Wellness. Zum ersten Mal waren Firmenvertreter aus dem Nichtfleisch- und dem Fleischbereich eingeladen, wobei die Nichtfleischanwendungen am ersten Seminartag besprochen wurden und am zweiten Seminartag die Fleischanwendungen. Ballaststoffanreicherung, Fett- und Kalorienreduktion durch den Einsatz kolloidaler Systeme, eine Studie über gesundes Ernährungsverhalten und eine klinische Studie zum Thema Low Fat aus ernährungsphysiologischer Sicht, die Darstellung der lebensmittelrechtlichen aktuellen Situation sowie zahlreiche Anwendungsbeispiele und Fallstudien waren die Schwerpunkte für die insgesamt 110 Firmenvertreter an beiden Seminartagen. Der Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Food, Hartmut Bollinger, eröffnete das 3. Vitacel-Symposium und nutzte die Gelegenheit, dem Auditorium Stefan Lander als seinen Nachfolger vorzustellen. Bollinger wird im Mai 2008 nach 15-jähriger Tätigkeit bei der JRS in den vorzeitigen Ruhestand treten.
Prof. Dr. rer. nat. Volker Pudel, ehem. Leiter der ernährungsphysiologischen Forschungsstelle der Georg-August Universität in Göttingen, referierte über das Ernährungsverhalten der Menschen und dessen Ursachen. Basierend auf Untersuchungen stellte Prof. Dr. Pudel in seinem Vortrag fest, dass Menschen zwischen „Nahrung“ und „Essen“ unterscheiden. Mit Nahrung würden die durch die Ernährungsaufklärung propagandierten Begriffe „Fett“, „Kalorien“, „abwechslungsreich“ und „nicht dick werden“ assoziiert. Mit Essen würden emotionale Begriffe wie „Ambiente“, „Geschmack“ oder „satt werden“ verbunden. Trotz Ernährungsaufklärung sei es nicht gelungen, dass sich das Ernährungsverhalten geändert hat. Der Versuch, durch kognitive Informationen das Essverhalten hin zu einer gesundheitsbewusste Ernährung zu lenken, funktioniere nicht. Vielmehr müssten die Voraussetzungen für eine solche geschaffen werden. Prof. Dr. Pudel verglich dies mit der Automobilindustrie und den Rückgang an Verkehrstoten. Die Einführung von Leitplanken, Airbag, Geschwindigkeitsbegrenzungen, intelligenten Leitsystemen usw. ändere nicht das Verhalten der Autofahrer, reduziere aber die Anzahl der Verkehrstoten. Gleiches müsse auch für die Lebensmittelindustrie gelten. Die WHO prognostiziere, dass bereits zum heutigen Tag Kinder geboren werden, die aufgrund von Fehlernährung vor ihren Eltern sterben werden. Es sei also an der Zeit, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, sodass diese Prognose nicht eintrifft.
Dass es heute ohne Weiteres möglich ist, Produkte dahingehend zu entwickeln, dass bei vollem Geschmack eine Fettreduktion oder eine Ballaststoffanreicherung erreicht werden kann, präsentierte Herr Franz-Josef Stuhlreyer von der staatlichen Fachschule für Lebensmitteltechnik in Berlin. In seiner Fallstudie mit Vitacel-Weizenfasern in Backwaren zeigte er, dass ohne Einbußen in der Produktqualität Backwaren ballaststoffreich und kalorienreduziert hergestellt werden können. Weiter wurde auf die Messmethoden der Ballaststoffgehaltermittlung und den ernährungsphysiologischen Nutzen unlöslicher Ballaststoffkonzentrate eingegangen.




