Wenn in der Lebensmittelindustrie ein Kühlmedium, etwa kaltes Wasser oder kalte Sole, eingesetzt wird, muss es mit Hilfe einer Kältemaschine auf die passende Temperatur gebracht werden. Die Kältemaschine fungiert dabei immer als Wärmepumpe. Das heißt, sie nimmt die Wärmeenergie dort auf, wo sie nicht erwünscht ist, bringt sie auf ein noch höheres Temperaturniveau und gibt sie an anderer Stelle wieder ab. Zumeist geschieht das über einen Kondensator, der die Wärme in die Umgebung leitet. Das betrifft nicht nur die überschüssige Wärmeenergie, sondern auch die durch den Antrieb des Kältemaschinenverdichters selbst anfallende Abwärme. Reisner entwickelt solche Kälteanlagen und hat erkannt: Für die überschüssige Wärmeenergie gibt es eine Vielzahl interessanter Einsatzmöglichkeiten. Es lohnt sich, sie nicht zu verschwenden, sondern dem Betrieb in sinnvoller Form wieder zur Verfügung zu stellen. Daher bietet Reisner schon seit Jahren Systeme an, die diese Energie etwa zur Gebäudeheizung nutzbar machen. Jetzt hat das Unternehmen aus Holzwickede ein ganz neues Konzept entwickelt, das noch einen Schritt weiter geht als die bislang verfügbaren Lösungen und noch interessantere Perspektiven eröffnet.
Bei der herkömmlichen Methode zur Wärmerückgewinnung wird die Abwärme durch einen Heizwasserstrom aufgenommen und mit Hilfe einer Luftheizung im Gebäude verteilt. Schon auf diese Art spart der Betreiber viel Energie. Hat seine Kältemaschine eine Kühlleistung von 100 kW und eine Verdichterantriebsleistung von 138 kW, dann steht ihm ein gesamter Abwärmestrom von 138 kW zur Verfügung. Bezieht man diesen auf die elektrische Energie, die der Verdichter benötigt (38 kW/h), dann ergibt sich ein Potenzial von 138/38, also 3,6 kWh Wärme pro eingesetzter kWh an elektrischer Energie.
Mit den bislang branchenüblichen Technologien zur Abwärmenutzung lassen sich allerdings die Einsparmöglichkeiten nicht vollständig ausschöpfen. Ein Teil der wertvollen Energie geht verloren. So lässt sich nur Heizwasser mit einer relativ niedrigen Temperatur bereitstellen, mit dem nur Luftverteilungs- und Fußbodenheizungssysteme beschickt werden können. Sollen ältere Heizkörper in Büros und Hallen für wohlige Wärme sorgen, muss das Wasser eine deutlich höhere Temperatur aufweisen.
Bei der Weiterentwicklung ihres Wärmerückgewinnungskonzepts hat Reisner daher einen Schwerpunkt darauf gelegt, dass die Systeme in der Lage sein müssen, möglichst warmes Heizwasser bereit zu stellen. Hier kann sich je nach angestrebter Temperatur ein Effizienzproblem ergeben: Unter Umständen muss die Anlage eine höhere Kondensationstemperatur erzielen. In der Folge benötigt der Verdichter mehr elektrischen Strom. Es steigt also nicht nur der potenzielle Nutzen aus der Wärmerückgewinnung, sondern auch der Aufwand dafür – diese Relation muss für jede einzelne Lösung im Blick behalten werden.




