Bis zur Jahrtausendwende erfolgten in der Fleischindustrie viele Sortierprozesse noch in Handarbeit. Auch beim Bifi-Hersteller Jack Link’s sortierten noch Anfang der 2000er Jahre die Mitarbeitenden die Bifi-Würstchen an der Linie manuell und legten diese in die Mulden der Tiefziehmaschine ein. Während die Süßwarenindustrie bereits früher damit begonnen hatte, ihre Fertigungs- und Verpackungsprozesse zu automatisieren, war die Fleischindustrie etwas zurückhaltender – nicht zuletzt aufgrund der spezifischen Hygieneanforderungen an die eingesetzte Automatisierungsausrüstung und die Lösungskonzepte. Daher stellte die Inbetriebnahme der Roboter-Sortierungsanlage im Jahr 2006 einen bedeutenden Vorstoß der Automatisierung in neue hygienische Anwendungsbereiche dar.
Start-up entwickelte erste Roboterzelle
Im Zentrum dieser geschichtsträchtigen Applikation stand die Frage: Wie lassen sich Bifi-Würstchen automatisiert möglichst effizient greifen und verpacken? Vor diesem Hintergrund wurde das damals junge Unternehmen Robomotion damit beauftragt, eine passende Roboterzelle für die Bifi-Verpackungsanlage zu konzipieren. Damals beschäftigte sich das Stuttgarter Start-up mit den drei Gründern Steffen Mayer, Jan Binder und Dr. Andreas Wolf mit der Roboterintegration an Serienmaschinen in der Fleischindustrie. Bereits Mitte der 90er Jahre hatten sich Steffen Mayer und Andreas Wolf am Fraunhofer Institut mit der Sortierung von Wertstoffen mit Scara-Robotern beschäftigt. Bald stellte sich heraus: Das technologische Prinzip, Produkte mithilfe von Bildverarbeitung, Steuerungstechnologie, Sensorik und ausgeklügelter Greifertechnik nach bestimmten Kriterien schnell zu greifen, war auch für Applikationen in der Lebensmittelindustrie von großem Interesse.
Sehr gut für Handlingaufgaben geeignet
Im Rahmen einer Kooperation stellte ABB dem Start-up einen Deltaroboter des Typs IRB 340 Flexpicker zur Verfügung. Mit seinen Deltarobotern ist ABB bereits seit mehr als 20 Jahren führend in der modernen Hochgeschwindigkeitskommissionierung und -verpackung, insbesondere auch für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie. Aufgrund ihrer Parallelkinematiken sind Roboter dieses Typs hervorragend für Handlingaufgaben mit einem hohen Anspruch an Schnelligkeit und Präzision geeignet, beispielsweise von einem Förderband in eine Verpackungsmaschine.
Mit den ABB-Robotern als Herzstück sollte Robomotion in seiner Rolle als Systemintegrator eine Roboteranlage entwickeln und validieren. Mithilfe von Vorversuchen im Labor konnte demonstriert werden, dass die ABB-Roboter in der Lage waren, bis zu 150 Bifi-Würstchen in der Minute prozesssicher mit mechanischen Greifern dem Tiefziehverpackungsprozess zuzuführen. ABB wiederum übernahm die Verantwortung für Service und Wartung der Roboteranlage im Betrieb.




