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    Schon die Kelten schätzten Grünkern
    Bildquelle nicht angegeben
    Technik

    Schon die Kelten schätzten Grünkern

    Ein Team der Universität Hohenheim belegt, dass schon die Kelten Grünkern verwendet haben.
    Veröffentlicht
    17. Juni 2020
    Lesezeit
    3 Minuten
    Rubrik
    Technik

    Grünkern wussten bereits die Kelten im 5. Jahrhundert vor Christus zu schätzen. Ein Forscherteam der Universität Hohenheim hat nachgewiesen, dass es sich bei Nahrungsmittelresten, die bei Grabungen in einer Keltensiedlung gefunden wurden, um die bis heute bebliebte Speise handelt.

    Verkohlte Getreidekörner lieferten den entscheidenden Hinweis: Bei Grabungen in der Keltensiedlung von Eberdingen-Hochdorf (Vaihingen a. d. Enz) kamen Reste von Nahrungsmitteln zum Vorschein. Mit einer aktuellen Publikation im Journal of Archaeological Science belegt nun ein Team der Universität Hohenheim in Stuttgart, dass es sich bei diesen archäologischen Funden um Grünkern handelt.

    Lange war Grünkern fast in Vergessenheit geraten, doch im Zuge der zunehmenden Popularität einer vollwertigen Ernährungsweise erfreut er sich wieder steigender Beliebtheit. „Vor allem sein hoher Eiweißanteil macht ihn zu einem heimischen Superfood“, hebt Archäobotanikerin Dr. Marian Berihuete-Azorín von der Universität Hohenheim hervor. Zudem enthält Grünkern nennenswerte Mengen an B-Vitaminen und Magnesium.

    Entstanden ist die Speise vermutlich aus einer Notlage. Denn bei Grünkern handelt es sich um nichts anderes als unreif geernteten Dinkel, der über ein spezielles Trocknungsverfahren mithilfe von offenem Buchenholzfeuer in einer Darre haltbar gemacht wird. Dabei verfärbt sich das Korn und erhält seine oliv-grüne Farbe und zugleich seinen nussigen, würzig-rauchigen Geschmack.

    Nutzung von Grünkern vor allem in Süddeutschland

    Verschiedenen Berichten zufolge war Grünkern in Deutschland schon im 17. Jahrhundert bekannt. Als „Heimat des Grünkerns“ gilt ein Landstrich in Nordbaden: das Bauland. Seit 2015 trägt der hier auf traditionelle Weise erzeugte „Fränkische Grünkern“ das europaweite Kennzeichen „geschützte Ursprungsbezeichnung“.

    Die Ernte des noch unreifen, grünen Getreides erfordert zwar einen deutlich höheren Arbeitsaufwand als die von vollreifem Dinkel, weist jedoch einige Vorteile auf. So können zumindest Teile der Ernte in Regionen mit kurzen und feuchten Sommern gesichert werden, vor allem wenn erst kurz vor der Reifung der Körner eine Schlechtwetter-Periode auftritt.

    Zudem beginnt die Erntezeit rund einen Monat früher als die des Dinkels, also dann, wenn die Vorräte aus dem Vorjahr knapp werden. Darüber hinaus verändert das Trocknen und Rösten der Körner ihr Aussehen und ihren Geschmack. So ist aus einem Lebensmittel, das in der Not entstanden ist, eine hoch geschätzte Zutat geworden, die zu neuen schmackhaften Gerichten verarbeitet werden kann.

    Interdisziplinäre Zusammenarbeit führt zum Ergebnis

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    Dass es sich auch bei Körnerfunden aus der archäologischen Grabung in Hochdorf um grün geernteten Dinkel handelte, war bisher nicht bewiesen: „Bis jetzt hatten wir nicht die Möglichkeit das Vergleichsmaterial zu erstellen und die Ergebnisse mit archäologische Resten zu vergleichen“ erläutert Berihuete-Azorín.

    Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, kombinierten die Wissenschaftler im Rahmen des vom europäischen Forschungsrat (ERC) geförderten Projektes „PlantCult“ Ansätze aus drei verschiedenen Disziplinen: Ethnographie, Lebensmitteltechnologie und Archäologie.

    Die Forscher beschäftigten sich unter anderem mit der traditionellen Herstellung von Grünkern, wie sie heute noch im Bauland praktiziert wird und erhielten so aktuelles Vergleichsmaterial. Dabei half die enge Zusammenarbeit mit Armin Mechler und Jürgen Stäzler, zwei Grünkernherstellern aus der Region. Beim anschließenden Verkohlungsprozess veränderten Grünkern und Dinkel ihre äußere Form jeweils in charakteristischer Weise, sodass die Experten sie allein aufgrund ihres Aussehens unterscheiden konnten.

    Der Vergleich der modernen Proben mit den archäologischen Funden zeigte deutliche Übereinstimmungen. Berihuete-Azorín geht deshalb davon aus, dass bereits die Kelten im 5. Jahrhundert vor Christus sowohl den reif geernteten Dinkel als auch Grünkern verwendeten.

    Aktuelle Publikation im Journal of Archaeological Science:
    Berihuete-Azorín, M, Stika, H-P, Hallama M, Valamoti SM: Distinguishing ripe spelt from processed green spelt (Grünkern) grains: Methodological aspects and the case of early La Tène Hochdorf (Vaihingen a.d. Enz, Germany), https://doi.org/10.1016/j.jas.2020.105143.

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