Bis zu 60 % Fettgehalt hatte ein Milchpulver, dessen Lagerfähigkeit und pneumatische Förderverhalten die Firma system-technik untersuchte. Neben dem Nachweis der grundsätzlichen Machbarkeit standen hohe hygienische Anforderungen nach HACCP und GMP sowie uneingeschränkte Erhaltung der hohen Qualität des Produkts im Vordergrund. Die Untersuchung des sehr feinen Pulvers nach Hausner ergab einen sehr hohen Verdichtungsgrad. Das Produkt war im abgelagerten Zustand als „nicht fließfähig“ einzustufen. Die Beurteilung der Lagerfähigkeit in Silos bedurfte weiterer Untersuchungen. Für die pneumatische Förderung erfolgte eine Beurteilung nach Geldart und eine Einstufung in die Gruppe C, d. h. kohäsiv, schlecht bis nicht fluidisierbar.
Vorrangig galt es, die Einhaltung der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG inkl. Anlage 1 Absatz 2.1 Nahrungsmittelmaschinen sowie die DIN EN1672/2 Hygieneanforderungen sicherzustellen. Weiterhin waren EHEDG-Guidelines, die GMP- und FDA-Empfehlungen einzuhalten. Das gesamte System musste totraumfrei, restlos entleerbar und leicht reinigbar sein. Die Reinigung war, soweit möglich, als Trockenreinigung durch Luftspülung anzustreben. Nassreinigung sollte wegen des nicht zu vermeidenden Fettfilmes möglich sein. Bei der Lagerung und insbesondere auch der pneumatischen Förderung war die originäre Körnung, das Schüttgewicht und das Aussehen des Produktes zu erhalten und eine Qualitätsbeeinträchtigung sicher zu vermeiden.
Zur Absicherung der Fließfähigkeit und damit der Lagerfähigkeit wurden weitere Untersuchungen nach Jenike durchgeführt. Aufgrund des Fettgehaltes mussten die Untersuchungen auf unterschiedliche Lagertemperaturen und Lagerzeiträume ausgeweitet werden. Höhere Fettgehalte führen zu deutlicher Verschlechterung der Fließfähigkeit, abfallende Temperaturen im Produkt während der Lagerung ergeben einen Anstieg der Schüttgutfestigkeit und führen damit zur Verschlechterung der Fließfähigkeit und Lagerfähigkeit. Bei sehr hohen Fettgehalten entstehen bei Lagerzeiten von wenigen Stunden bereits Schüttgutfestigkeiten in der Nähe der Verfestigungsspannung und somit ist ein Fließen ohne Austragshilfen nicht mehr möglich. Höhere Temperaturen verschlechtern die Wandreibungswerte und es kommt zu ausgeprägter Adhäsionsneigung.
Um den Lager- und Förderprozess trotz der vielfältigen Abhängigkeiten beherrschbar zu gestalten, differenzierte man wie folgt:
- Ohne Umwälzung lagerfähig bis ca. 24 h sind Milchpulver mit einem Fettgehalt von unter 40 % bei ca. 25 °C, bei Beachtung des erforderlichen Auslaufdurchmessers
- Milchpulver mit einem Fettgehalt zwischen 40 und 60 % sind bei sonst gleichen Bedingungen mit Umwälzung lagerfähig




