Ungeplante Maschinenstillstände zählen zu den größten Kostenfaktoren in der Lebensmittelproduktion. Neben Produktionsausfällen drohen Rohstoffverluste und leere Regale im Handel. Digitale Service-Ökosysteme bieten einen ganzheitlichen Ansatz, um Instandhaltung, Ersatzteilbeschaffung und Compliance zu vernetzen – und so die Verfügbarkeit von Anlagen nachhaltig zu sichern.
Lieferengpässe können für Lebensmittelhersteller ein erhebliches Risiko darstellen. Häufig sind nicht externe Faktoren die
Ursache, sondern ungeplante Maschinenstillstände. Hinzu kommt, dass Serviceprozesse vielerorts noch auf dem Stand von vor 20 Jahren verharren – mit Excel-Listen, Papierkatalogen und telefonischen Bestellungen. Die Folge: fehlende Transparenz, lange Reaktionszeiten und hohe Kosten. Der aktuelle Siemens Senseye Report zeigt, dass Produktionsstillstände die 500 weltweit größten Industrieunternehmen jährlich rund 11 % ihres Umsatzes kosten – umgerechnet etwa 1,4 Billionen US-Dollar. Für die Lebensmittelindustrie kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Steht eine Anlage, drohen nicht nur Produktionsverluste, sondern auch Verderb von Rohstoffen sowie leere Regale im Handel.
Industrielles Service-Ökosystem
Um Stillstände zu reduzieren, sind optimierte Ersatzteilbeschaffung, strukturierte Instandhaltung und planbare Wartungsprozesse erforderlich. Insellösungen bieten hier nur begrenzt Abhilfe, da sie weder Skalierbarkeit noch durchgängige Datenflüsse ermöglichen. Ein industrielles Service-Ökosystem wie Transaction-Network schafft dagegen ein digitales Rückgrat für den gesamten Serviceprozess. Auf einer zentralen Plattform werden Maschinenbauer, Betreiber, Lieferanten und Dienstleister vernetzt. KI-Technologien und IIoT-Anwendungen ermöglichen Predictive Maintenance, wodurch Wartungen vorausschauend und automatisiert geplant werden können.
Strukturiertes Asset-Management
Zentrale Voraussetzung ist ein umfassendes Asset-Management, das Maschinendaten bündelt und mit technischer Dokumentation anreichert. Auf dieser Basis lässt sich ein digitaler Informationszwilling jeder Anlage erstellen. Neben Maschinendokumentationen können auch Schaltpläne und Bedienungsanleitungen integriert werden. Damit stehen Serviceteams jederzeit vollständige Informationen zur Verfügung. In Kombination mit automatisierten Wartungsprozessen lassen sich Ausfälle deutlich reduzieren. Steht bei einer Maschine eine Komponente kurz vor dem Verschleiß, so findet mit einem industriellen Service-Ökosystem wie Transaction-Network eine automatisierte Ersatzteilprognose statt. Studien zeigen, dass die Reaktionszeit bei Ersatzteilbedarfen durch solche Systeme um bis zu 70 % verkürzt und ungeplante Stillstände um bis zu ein Drittel gesenkt werden können.
Automatisierte Ersatzteilbeschaffung
Ein wesentlicher Vorteil eines digitalen Service-Backbones liegt in der Integration des Beschaffungsprozesses. Systeme prüfen automatisiert die Verfügbarkeit benötigter Komponenten und lösen im Bedarfsfall eigenständig Bestellungen aus – inklusive Preisvergleich über angebundene Marktplätze. Für Produzenten bedeutet dies eine erhebliche Zeitersparnis. Nach der Bestellung wird über das industrielle Service-Ökosystem eine Servicetechnikerin oder ein Servicetechniker benachrichtigt, um das Ersatzteil einzubauen. Dabei wird die Wartung für einen Termin eingeplant, an dem die Maschine ohnehin stillsteht.
Entlastung der Mitarbeiter
Durch den Einsatz KI-gestützter Agenten können Zustandsdaten nicht nur überwacht, sondern auch aktiv interpretiert werden. Servicetechnikerinnen und -techniker erhalten konkrete Handlungsempfehlungen oder können per Chat direkte Fragen stellen – etwa zu anstehenden Wartungen oder Anomalien. So entfällt die manuelle Suche in Tabellen oder Dokumentationen. Das steigert die Effizienz und ermöglicht es den Mitarbeitenden, sich auf wertschöpfende Tätigkeiten zu konzentrieren.
Compliance sicherstellen
Neben Wirtschaftlichkeit spielt die Einhaltung regulatorischer Vorgaben eine zentrale Rolle. Betreiber unterliegen zahlreichen Gesetzen, von der Maschinenrichtlinie über die Betriebssicherheitsverordnung bis hin zum Lebensmittelhygienerecht. Ein industrielles Service-Ökosystem unterstützt dabei, indem es alle relevanten Nachweise zentral verfügbar macht und revisionssicher dokumentiert. Dies ist insbesondere in der Lebensmittelindustrie entscheidend, wo neben den allgemeinen Sicherheitsvorgaben spezifische Hygiene- und Rückverfolgbarkeitsanforderungen gelten.
Fazit
Die Reduzierung von Stillständen erfordert mehr als punktuelle Lösungen. Für die Lebensmittelindustrie bietet ein industrielles Service-Ökosystem die Möglichkeit, Prozesse ganzheitlich zu digitalisieren, Servicekosten zu senken und regulatorische Anforderungen zuverlässig einzuhalten. Damit wird es zu einem wichtigen Instrument, um Liefertreue zu sichern, Rohstoffverluste zu vermeiden und Wettbewerbsvorteile langfristig auszubauen. Entsprechend ist die Frage längst nicht mehr, ob Betreiber in der Lebensmittelproduktion digitalisieren, sondern wie.
Autor: Gerd Bart
Gründer und
Geschäftsführer,
Transaction-Network




