Ali Nikzad, Attila Janosfia
Es gibt zwei Arten von Cholesterin im Blut: Das sogenannte LDL (Low-density lipoprotein – Lipoprotein niedriger Dichte) wird oft als schlechtes Cholesterin bezeichnet, weil es sich allmählich an den Arterienwänden anlagern kann. HDL (High-density lipoprotein – Lipoprotein hoher Dichte), das gute Cholesterin, hilft hingegen beim Abbau von LDL aus den Arterien und verhindert Blockaden. Die Anreicherung fetthaltiger Lebensmittel mit dem in Pflanzen vorkommenden Phytosterol ist eine neuere Entwicklung im Bereich der Lebensmitteltechnik, um herkömmlichen Nahrungsmitteln eine cholesterinsenkende Wirkung zu verleihen.
Hauptanwender von Phytosterol sind die Lebensmittel- und Pharmaindustrie. Der Markt für Functional Food, das Phytosterol in geeigneter Form enthält, wie Margarine, Jogurt, Brotaufstriche, Salatdressings oder Getränke, wächst rasch, wodurch der Bedarf an lebensmitteltauglichem Phytosterol steigt. Die einschlägigen Bestimmungen schreiben für Sterol eine Reinheit von über 99,0 % vor und legen strenge Grenzwerte für diverse, in Spuren enthaltene Verunreinigungen fest, unter anderem für polyaromatische Kohlenwasserstoffe. Zur Phytosterolproduktion werden hauptsächlich zwei Rohstoffe verwendet: ein durch Dampfdestillation von Sojaöl gewonnenes Destillat und Rohtallöl. Dieses entsteht bei der Zelluloseproduktion, vor allem aus Nadelhölzern, durch das Abschöpfen der Seife von Schwarzlauge. Wegen seines hohen Phytosterolgehalts und seiner leichten Verfügbarkeit ist Rohtallöl als Rohstoff von großer Bedeutung. Es wird meist destilliert, um Harz, Fettsäuren und Pech herzustellen. Das Letztere enthält sämtliche unverseifbaren Substanzen einschließlich Sterol und zahlreiche Verunreinigungen.
Die zur Resitec-Gruppe gehörende Resitol LTDA in Palmeira, Brasilien, destilliert seit langem Rohtallöl, das sie von rund einem Dutzend Zellstofffabriken aus der Gegend erhält. Seit 2003 erzeugt Resitol LTDA mittels eines von Resitec entwickelten und patentierten Verfahrens Rohphytosterol mit einem Reinheitsgrad von über 50 % aus Tallölpech. Das herkömmliche Verfahren zur Extraktion und Konzentration von Sterol aus pflanzlichen Rohmaterialien besteht in der Suspensionskristallisation aus Lösemitteln, gefolgt von einer Phasentrennung mittels Filterpresse. Dabei wird eine große Menge einer Lösemittelmischung benötigt, deren Recycling nach der Verwendung schwierig ist. Um den Bedarf an einem hochreinen Produkt zu decken und dieses direkt an die weiterverarbeitende Industrie verkaufen zu können, beschloss Resitec zu untersuchen, wie ihr Roh-Phytosterol auf den geforderten Reinheitsgrad von 85 % gebracht werden könnte.
Angesichts der Probleme im Zusammenhang mit den bestehenden Verfahren suchten die Spezialisten von Resitol nach einer alternativen Technologie. Nach der Prüfung diverser Möglichkeiten stellte sich die statische Kristallisation von Sulzer Chemtech als die vielversprechendste Option heraus. Ein erster Test in kleinem Maßstab im Sulzer-Labor in Buchs in der Schweiz ergab sehr ermutigende Resultate, so dass die beiden Unternehmen beschlossen, in enger Zusammenarbeit ein Verfahren zur Endreinigung von Phytosterol zu entwickeln. Ergebnis ist ein Reinigungsverfahren auf der Basis eines modifizierten statischen Kristallisationsprozesses, mit dem hochreines Sterol mit höherer Ausbeute und mit Hilfe eines einzigen Lösemittels erzeugt wird.




