Dipl.-Ing. Rüdiger Selig, Dipl.-Ing. Siegfried Becker-Ullmann und Dipl.-Ing Stephan Gaerisch
Als einer der größten europäischen Hersteller von flüssigen Gewürzmischungen produziert Hela im Stammwerk Ahrensburg bei Hamburg nicht nur Ketchup und Dressings für Privatverbraucher, sondern auch maßgeschneiderte Kompositionen für Großabnehmer sowie für die weiterverarbeitende Industrie. Aufgrund der großen benötigten Mengen werden diese Mischgewürze und Hilfsstoffe meist in Mehrweg-Containern mit einem Fassungsvermögen von 250 bis 1000 l an die Kunden ausgeliefert. Derzeit sind bei Hela rund 300 dieser Edelstahlbehälter im Umlauf.
Zur Gewährleistung einer optimalen Produktqualität müssen alle Container vor jeder neuen Befüllung eine bestimmte Abfolge von Arbeitsschritten durchlaufen haben – von der technischen Überprüfung bei der Rücknahme über die Reinigung, Sterilisation und Befüllung bis zur technischen Endkontrolle und Auslieferung. Ob, wie und wann diese Prozessschritte durchlaufen wurden, konnte bislang nur über einen manuell geführten Containerpass nachgewiesen werden. Uwe Wilckens, Betriebsleiter bei Hela: „Der alte Containerpass hat uns über Jahre hinweg ein hohes Maß an Produktsicherheit ermöglicht, inklusive Dokumentation und Rückverfolgbarkeit. Wir hatten aber nie den vollen Überblick über Art, Menge, Zustand und Standort der uns zur Verfügung stehenden Container. Und das hat sich durchaus auf die Performance unserer Abfüllanlagen ausgewirkt.“
Die Lösung war schnell gefunden: RFID. Und da die hauseigenen Automatisierer rund um Ralf Möllendorf seit Jahren an der schrittweisen Realisierung einer durchgängigen Automatisierungslandschaft arbeiten, ließ sich diese Lösung auch leicht in das langfristige Konzept einbinden. „Der elektronische Containerpass war für uns das optimale Pilotprojekt für die unternehmensweite Einführung von RFID und MES“, sagt Möllendorf. „Die Menge der Container ist klein, die Prozesse sind typisch, sodass wir viel lernen konnten.“ Gemeinsam mit dem mittelständischen Systemintegrator GreyLogix erarbeitete Möllendorf ein RFID-Konzept für den neuen elektronischen Containerpass. Dabei ging es nicht nur um den Ersatz der bisherigen Lösung sowie um die Integration neuer Funktionalitäten, sondern auch um die Ins-tallation einer leistungsfähigen MES- und RFID-Infrastruktur, auf die alle kommenden Lösungen aufsetzen können. Dabei waren die Rahmenbedingungen von Anfang an gesetzt: „Die Basis ist Totally Integrated Automation von Siemens – mit Simatic PCS7 als Leitsystem und Simatic IT als MES,“ sagt Roman Vogt, Projektleiter von GreyLogix.
Aufgrund des relativ engen Zeitplans musste zweigleisig gefahren werden: Während die Spezialisten von GreyLogix in Flensburg mit der Entwicklung und Programmierung der MES-Lösung betraut waren, stand bei Hela zunächst die Infrastruktur im Mittelpunkt. Alle Stationen, an denen der Zustand eines Containers verändert werden kann, etwa durch Reinigen, Sterilisieren oder Befüllen, mussten in Simatic PCS7 integriert werden. Alle Punkte, die über den Standort eines Containers Auskunft geben können, mussten mit Strom versorgt und in ein Netzwerk von angeschlossenen RFID-Stationen integriert werden – wie etwa Eingangstore oder Durchfahrten zwischen Produktionshallen. Und zuletzt mussten alle Orte, wo heute und in Zukunft manuelle Eingaben möglich sein sollen, ebenfalls an das Strom- und Datennetz angeschlossen werden.




