Alexander Scholl
Niedrigere Energiekosten helfen langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. In den Betrieben fehlt jedoch oft die Methode, systematisch die attraktivsten Einsparpotenziale zu identifizieren. Dies überrascht nicht, denn ein Unternehmen besteht aus Produktionsanlagen, Büros, Nebenanlagen und weiterer Infrastruktur: In diesen unterschiedlichen Bereichen kann Strom, Wasser, Kälte, Wärme und Druckluft verbraucht, erzeugt und verteilt werden. Häufig wird auf der Suche nach Sparpotenzialen nur der Verbrauch der elektrischen Energie in Produktionsanlagen berücksichtigt. Jedoch können die attraktivsten Einsparpotenziale ganz woanders verborgen sein. Es gibt unterschiedliche Methoden der Einsparung: So können die Anlagen für die Energieerzeugung, die Energieverteilung und alle energieverbrauchenden Anlagenteile optimiert werden. Bei elektrischer Energie lässt sich außerdem der Leistungspreis, d. h. die Kosten pro kWh, oder der Arbeitspreis, d. h. die verbrauchten kWh, reduzieren.
Einfachster Kunstgriff zur Reduzierung des Leistungspreises ist die Blindleistungskompensation. Blindleistung muss ab einem bestimmten Anteil bezahlt werden. Die Blindleistung kann neben 50 weiteren elektrischen Messgrößen beispielsweise mit dem Multifunktionsmessgerät Sentron PAC 3200 von Siemens dargestellt werden. Ferner lässt sich mit dem Energieversorgungsunternehmen (EVU) häufig ein niedrigerer Leistungspreis vereinbaren, wenn ein Fahrplan für den Leistungsbezug vereinbart wird. Der einfachste Fall ist die Vereinbarung eines konstanten maximalen Werts. Entscheidend ist dann nicht der momentane Leistungsbezug, sondern der über 15 Minuten gemittelte Wert. Das EVU berechnet für die gesamte abgenommene Leistung erst dann einen höheren Tarif, wenn der vereinbarte maximale Leistungsbezug überschritten wird. Bei kontinuierlich betriebenen Ölmühlen mit konstanter elektrischer Leistung bietet sich das Modell eines konstanten maximalen Wertes an. Wenn Chargenprozesse und diskontinuierlich arbeitende Nebenanlagen zur Kälte- und Drucklufterzeugung hinzukommen, können mithilfe eines Lastmanagements Lastspitzen vermieden werden.
Die linke Grafik zeigt den Steuerbereich eines Lastmanagementsystems. Während einer 15-Minuten-Periode ist hier die durchschnittlich bezogene Leistung sowie eine Prognose dargestellt. Wenn die prognostizierte Leistung abgenommen wird, dann bleibt der durchschnittliche Leistungsbezug in dieser Periode unter dem maximalen Leistungsbezug. Solange die Prognoselinie nach oben zeigt, können zusätzliche Verbraucher zugeschaltet werden. Im anderen Fall müssten Verbraucher abgeschaltet werden. Der Anlagenbetreiber könnte dabei mit einer Liste von Verbrauchern, die für die Produktion momentan nicht entscheidend sind, sein Personal unterstützen. Je weiter die Periode fortgeschritten ist, desto schwieriger wird für das System, eine Überschreitung des maximal zulässigen Leistungsbezugs zu verhindern. Daher liegt der beste Reaktionszeitraum für ein Lastmanagementsystem in der Mitte der Viertelstundenperiode.




