Neben den häufigsten Anforderungen an pulver- und granulatförmige Produkte, beispielsweise dass die Partikel eine definierte Korngrößenverteilung aufweisen oder dass keine hohen Anteile an Staub im Produkt enthalten sind, ist es erwünscht, diese Produkte mit möglichst geringem apparativem Aufwand zu erzeugen. Das zerkleinerte Produkt sollte idealerweise nicht mehr zu sieben oder auf andere Weise zu klassieren sein, sondern nach Entnahme aus dem Zerkleinerungsaggregat direkt als Fertiggut verpackt oder weiterbehandelt werden können. Diese Aufgabe kann mit modernen Riffelwalzwerken wesentlich zufriedenstellender erfüllt werden als mit Prallzerkleinerern, beispielsweise Mühlen.
In einem Riffelwalzwerk erfolgt die Produktzerkleinerung durch Scherung und Druckeinwirkung zwischen zwei Walzen (Bild 1a). Durch die punktuelle Krafteinwirkung der beiden Schneiden der geriffelten Walzenoberfläche und dem Druck der Walzen wird das Korn in wenige, relativ große Fragmente zerteilt, wobei ein kleiner, unvermeidlicher Feingutanteil entsteht. Betrachtet man dagegen das typische Bruchbild eines prallend zerkleinerten Korns, so fallen hier mehr und vor allem kleinere Bruchstücke (Bild 1b) als bei der Zerkleinerung mittels eines Riffelwalzwerks an. Zudem ist die Korngrößenverteilung eines Pulvers aus einem mit hoher Geschwindigkeit arbeitenden Prallzerkleinerers wesentlich breiter als bei einer relativ langsamen, schonenden Zerkleinerung durch Druck und Scherung in einem Riffelwalzwerk.
Die Entscheidung für eines der beiden genannten Zerkleinerungsprinzipien und damit die Frage, ob eine Prallmühle oder ein Riffelwalzwerk zum Einsatz kommen soll, ist von den an das Fertigprodukt gestellten Anforderungen abhängig. Vergleicht man die prinzipiell produktunabhängig erreichbaren Endfeinheiten, lässt sich in Bild 2 deutlich erkennen, dass die Kornverteilung eines auf einem Walzwerk zerkleinerten Produkts prinzipiell steiler und damit in einem engeren Kornspektrum verläuft als die eines auf einer Mühle vermahlenen Guts. Interessant wird die Frage nach der zu wählenden Zerkleinerungsmaschine dann, wenn das Fertiggut eine Kornverteilung aufweisen soll, die in dem Bereich liegt, der mit beiden Prinzipien bedient werden kann. Hier kommen dann weitergehende Überlegungen ins Spiel, wie z. B. die zur Erreichung der geforderten Durchsatzleistung erforderliche Größe der Maschine sowie die zugehörige Peripherie oder die Temperaturempfindlichkeit des Mahlgutes. Durch die geringere mechanische Beanspruchung in einem Riffelwalzwerk fällt auch die thermische Belastung grundsätzlich niedriger aus. Der notwendige Anlagenumfang umfasst bei einem Walzwerk im Wesentlichen eine dosierte Produktaufgabe und eventuell nachfolgend geschaltete Klassiermaschinen, während eine Mahlanlage auf Basis einer schnell laufenden Mühle darüber hinaus noch mit einer pneumatischen Förderung, einem Entstaubungsfilter und einer Ventilation ausgestattet werden muss.




