Zucker ist ein Energiespender. Für den menschlichen Organismus ist das – in Maßen wohlgemerkt – nützlich. In der Zuckerproduktion und der Lebensmittelproduktion kann der hohe Energiegehalt hingegen höchst gefährlich sein, denn er hat zur Folge, dass Zuckerstäube in Kombination mit Luft entzündlich sind. Dabei gilt: Je feiner der Staub, der sich mit der Umgebungsluft vermischt, desto größer die Explosionsgefahr.
Das Risiko von Staubexplosionen verursacht durch staubförmigen Zucker darf in der gesamten Prozesskette der Zuckerverarbeitung nicht unterschätzt werden. So kam es beispielsweise im Jahr 2008 in einer amerikanischen Zuckerfabrik bei der Abfüllung von feinen Zuckerfraktionen zu einer heftigen Zuckerstaubexplosion, die zum Tod von 14 Menschen führte, 40 weitere wurden schwer verletzt (K.-W. Stahmer, M. Gerhold, Brenn- und Explosionskenngrößen von Zuckerstaub; in Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft 7-8/ 2014, S. 279 ff.).
Wie bei Staubexplosionen üblich, folgten auf eine erste, kleinere Explosion deutlich größere Sekundärexplosionen. Als Ursache wurde ein schlechtes Reinigungsmanagement mit hohen Staubablagerungen ermittelt. Somit ist neben der Hygiene auch das Explosionsrisiko ein gewichtiger Grund für das sorgfältige Ab- und Aufsaugen von Zuckerstäuben. Darauf wies bereits die von der Zucker-Berufsgenossenschaft herausgegebene Schrift „Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von Zuckerstaubexplosionen“ aus dem Jahr 2003 hin.
Das Risiko von Staubexplosionen lässt sich mithilfe von mobilen Saugern und stationären Absauganlagen minimieren. Sie unterbinden Ablagerungen, die aufgewirbelt, mit Luft ein zündfähiges Gemisch bilden können. Wichtig: Die Anlagen selbst müssen den Anforderungen des (Staub-)Explosionschutzes entsprechen, d. h. sämtliche „Schutzmaßnahmen gegen Staubexplosionen“, die in der BG-Schrift aufgeführt sind, gelten auch für diejenigen Anlagen, die diese Staubexplosionen vermeiden sollen. Hierzu gehört das Vermeiden wirksamer Zündquellen, u.a. durch die Auswahl geeigneter Werkstoffe und der für Ex-Bereiche zugelassenen elektrischen Komponenten wie E-Motoren und Schaltgeräte.
Ferner dürfen die Temperaturen auf der Oberfläche der Absauganlagen einen definierten Grenzwert nicht überschreiten. Des Weiteren müssen auch Vorkehrungen gegen elektrostatische Aufladung getroffen werden – ein Umstand, der gerade beim Fördern von explosiven Stäuben ein großes Know-how voraussetzt.
Wie diese Anforderungen in der Praxis umgesetzt werden können, zeigt beispielhaft ein führender deutscher Hersteller von Milchprodukten, darunter eine große Palette von Fruchtjoghurts. Wichtige Zutat dieser Joghurts sind hochwertige Fruchtzubereitungen, die in einem separaten Unternehmensbereich zum Beispiel aus Erdbeeren, Pfirsichen, Kirschen oder Mangos hergestellt werden. Dabei müssen Zucker, Stärke und Bindemittel wie Pektin zugegeben werden. Letztere liegen alle in Pulverform vor und neigen bei der Dosierung zur Staubentwicklung. Diese wird direkt am Entstehungsort mit mehreren Ruwac-Absauganlagen beseitigt.




