Annegret-Cl. Agricola und Tobias Hülsemann
In der Lebensmittelherstellung sind energieintensive Produktionsschritte weit verbreitet. Mechanische Verfahren wie Pressen, Formen, Trennen oder Zerteilen weisen einen signifikant hohen Energiebedarf auf. Ebenso verhält es sich mit den thermischen Prozessen wie dem Eindampfen, Trocknen oder Garen von Produkten. Schließlich verbrauchen auch die thermischen Verfahren zum Haltbarmachen von Lebensmitteln wie Sterilisation oder Pasteurisation jede Menge Energie. Trotz der verschiedenen Prozessabläufe weisen die genannten Verfahrenschritte eine Gemeinsamkeit auf: Ihr Betrieb erfordert in der Regel den Einsatz von Pumpensystemen unterschiedlichster Bauart.
Für den Energieverbrauch eines Pumpensystems ist der Gesamtwirkungsgrad des Systems entscheidend. Grundsätzlich gilt: Um die höchsten Stromeinspareffekte zu erzielen, ist das System im Ganzen zu optimieren. Einzelne Systemkomponenten sind deshalb nicht isoliert zu betrachten.
Eine systematische energetische Optimierung erfolgt immer Schritt für Schritt. Es ist das komplette Pumpensystem zu analysieren und der tatsächliche Förderbedarf zu bestimmen. Am Förderbedarf wird die Dimensionierung der Pumpe ausgerichtet. Hierbei ist die Feinabstimmung aller Komponenten, zu denen neben der Pumpe unter anderem auch der Antrieb und die Rohrleitungen zählen, besonders wichtig.
Im Rahmen der Kampagne „Energieeffiziente Systeme in Industrie und Gewerbe“ wurden auch zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie hinsichtlich der Energieeffizienzsteigerung ihrer Pumpensysteme beraten. Die Beratungen zielten darauf ab, vorhandene Energiespar- und Kostensenkungspotenziale aufzudecken und zu erschließen.
Häufig sind in der Lebensmittelindustrie große Mengen flüssiger Medien zu fördern. So auch bei der PB Gelatins GmbH. Das Unternehmen stellt Gelatineprodukte her und verbraucht 70 % des Stroms für den Betrieb von Pumpensystemen. Die zur Herstellung der Produkte notwendigen Verfahrensschritte wie die Vorbehandlung des Ausgangsmaterials, die Extraktion der benötigten Inhaltsstoffe oder die Reinigung des Endproduktes führen zu einem beachtlichen Abwasservolumen. Die nahe gelegene kommunale Kläranlage ist durch die Produktionsabwässer des Unternehmens zu etwa 40 % ausgelastet. Die für den Transport der Abwässer eingesetzten Pumpensysteme fanden bei der energetischen Analyse besondere Beachtung.
In einer Abwasserpumpstation sind drei parallel geschaltete, ungeregelte 15-kW-Pumpen im Einsatz. Sie fördern das in einem Pufferbehälter gesammelte Abwasser in die 1 km entfernte Kläranlage. Je nach Füllstand des Pufferbehälters laufen bis zu zwei Pumpen gleichzeitig. Die dritte Pumpe ist redundant installiert. Mithilfe von speziellen Messungen konnten volumenspezifische Stromverbrauchswerte ermittelt werden. Auf Basis dieser Daten und unter Berücksichtigung von rohrleitungsbedingten Mindestströmungsgeschwindigkeiten und Kennlinien wurden Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz erarbeitet. So ließ sich durch Nachrüsten von Frequenz-umrichtern der Förderstrom reduzieren und die Pumpentaktung optimieren. Die Reduzierung des Stromverbrauchs um 4100 kWh pro Jahr ist die Folge. Ergänzend wurde auch der Austausch der 30 Jahre alten Pumpen durch moderne hoch effiziente Strömungspumpen empfohlen. Diese Pumpen weisen im Vergleich zu den vorhandenen eine Wirkungsgradsteigerung von bis zu 20 % auf. Unter Beachtung der gleichen Randbedingungen können so Einsparungen von 8820 kWh pro Jahr realisiert werden. Insgesamt kann PB Gelatins durch die Energieeffizienzsteigerung die von den Pumpensystemen verursachten Stromkosten um 20 % senken. Einen Frequenzumrichter hat das Unternehmen bereits installiert und konnte mit dieser Maßnahme eine Kapitalrendite von 63 % erwirtschaften.




