Viele haben die fantastischen Bilder von den Olympischen Spielen aus Peking noch vor Augen. Damit dies alles möglich war, musste die Luft in der chinesischen Hauptstadt sauberer werden. Also schlossen die Verantwortlichen kurzerhand alle Betriebe im Umkreis der Sportstätten für drei Monate. Betroffen war auch der deutsche Antriebsspezialist Getriebebau Nord. Zum Glück besitzt das Unternehmen noch einen zweiten Standort in China, der die ausgefallenen Kapazitäten übernahm. Das Werk in Suzhou in der Nähe von Shanghai ist eines von 30 Nord-Montagewerken weltweit. Und es wird nicht das letzte bleiben: „Derzeit bauen wir ein Montagewerk in Russland, und auch in China entsteht in Tianjiu ein weiteres Montagewerk“, sagt Geschäftsführerin Jutta Humbert. Und weitere sollen folgen. Schließlich gibt es auf der Nord-Landkarte noch ein paar weiße Flecken, die es auszufüllen gilt. Dazu investiert das Unternehmen kräftig: Allein in den beiden Jahren 2007 und 2008 wurden rund 90 Millionen Euro in die Hand genommen. Dieses Geld fließt aber nicht nur ins Ausland. Auch am Hauptsitz in Bargteheide wird kräftig gebaut. Bis 2009 wird dort die Nutzfläche beinahe verdoppelt.
2007 hat das Familienunternehmen einen Umsatz von 312 Mio. Euro, davon 94 Mio. in Deutschland, erwirtschaftet. Für 2008 peilt Nord die Marke von 350 Mio. Euro an. „Trotz der Dollar-Schwäche werden wir unser Ziel wohl erreichen“, erläutert Humbert. Nord beschäftigt weltweit rund 2500 Mitarbeiter. Ende 2008 werden erstmals in der 43-jährigen Unternehmensgeschichte mehr Beschäftigte im Ausland für Nord tätig sein, als in Deutschland. Dipl.-Ing. Frank Wiedemann, Geschäftsführer der Nord Electronic Drivesystems (NED), kennt die Hintergründe für die überproportionale Entwicklung des Unternehmens: „Wir profitieren vor allem von den Veränderungen in der Energiewirtschaft. Der hohe Kostendruck durch die Energiepreise, und damit der Trend zum Energie sparen und zur alternativen Energieerzeugung, machen sich besonders bemerkbar. Aber auch der anhaltende Trend zur Automatisierung, der nicht nur in den Industrienationen spürbar ist, hilft uns.“ Nord reagiert auf diese Trends mit seinen Produktentwicklungen. So steht mittlerweile eine neue Getriebereihe mit hohen Drehmomenten zur Verfügung und das eigene Motorenprogramm wird sukzessive bis zu einer Achshöhe von 315 ausgebaut. Zusätzlich gibt es demnächst eine Motorenreihe der Effizienzklasse IE3 (IEC 60034). Vor allem aber im Bereich der elektronischen Komponenten zur Steuerung von Antrieben wird kräftig entwickelt. Nord erwirtschaftet derzeit rund 10 % seines Umsatzes mit Elektronikkomponenten – Tendenz stark steigend. Für die Produktion dieser Komponenten besitzt Nord in Aurich ein eigenes Fertigungswerk.
Die NED ist seit 1984 mit einer Produktionsstätte in Aurich vertreten. Ende 2005 wurde das neue Werk in Aurich/Schirum bezogen. Hier fertigen 110 Mitarbeiter Antriebselektronik wie Frequenzumrichter, dezentrale Antriebstechnik und Servocontroller. Der Produktionsprozess auf der 3000 m² großen Fläche unterteilt sich in zwei wesentliche Abschnitte. Zum einen ist es die Leiterkartenproduktion, Elektronikbauteile werden auf eine Platine aufgebracht, gelötet und einer Funktionsprüfung unterzogen. Damit ist das Vormaterial für die Endmontage, dem zweiten Abschnitt, vorbereitet.




