cav: Herr Erwert, Sauerstoff, Stickstoff und Argon bilden das Fundament für das gesamte Produktprogramm des Geschäftsbereiches Technische Gase. Wie viele Luftzerlegungsan- lagen betreibt die Westfalen AG, um diese technischen Gase zu gewinnen?
Erwert: Drei Anlagen. Eine steht in Hörstel bei Osnabrück, die zweite in Laichingen bei Ulm und die dritte im französischen Le Creusot. Das ist unser modernster Luftzerleger. Er hat im September 2010 seinen Betrieb aufgenommen. Neben den drei Luftzerlegungsanlagen betreiben wir noch eine Anlage zur Wasserstoffproduktion in Salzbergen und im Werk Münster-Gremmendorf eine Produktionsanlage für Azetylen. Alle anderen Gase, beispielsweise Helium, kaufen wir auf dem Weltmarkt von verschiedenen Lieferanten zu. Außerdem haben wir auch standardisierte und kundenspezifische Gasgemische im Programm, die wir selbst herstellen.
cav: Die Westfalen AG hat namhafte Wettbewerber, beispielsweise Linde oder Air Liquide. Wie unterscheiden Sie sich von diesen Marktbegleitern?
Erwert: Durch das Tankstellengeschäft sind wir es gewohnt, uns auf Märkten zu bewegen, die von großen Wettbewerbern dominiert werden. Im Gasegeschäft ist diese Situation noch viel ausgeprägter. Hier beherrschen die zwei größten Unternehmen etwa 70 % des deutschen Marktes. Sich hier zu positionieren, ist für uns als Familien-AG natürlich recht schwierig. Unsere Stärke ist die Flexibilität. Als noch recht überschaubares Unternehmen sind wir in der Lage, sehr schnell auf neue Gegebenheiten oder Anforderungen des Marktes zu reagieren. Hinzu kommt die Nähe zu den Kunden. Wir kennen uns. Und dadurch ist im Vergleich zu unseren multinational agierenden Wettbewerbern eine individuellere Betreuung möglich.
cav: Neben der Metallbe- und -verarbeitung ist die chemische Industrie einer ihrer wichtigsten Kunden. In dieser Branche kommt man allerdings mit einer einfachen Gasflasche nicht sehr weit. Welche Versorgungskonzepte bieten Sie diesem Großverbraucher an?
Erwert: In einigen Fällen kann natürlich auch die Gasflasche eine Lösung sein. Ich nenne hier als Beispiel analytische Anwendungen im Labor. Für größere Abnahmemengen bieten wir die Bündelversorgung. Hierbei handelt es sich um Einheiten, die aus mehreren Gasflaschen bestehen. Dann gibt es die Versorgung über stationäre Tankanlagen und die Gaserzeugung vor Ort mit sogenannten Onsite-Anlagen.
von Kleist: Daneben bieten wir auch Konzepte für eine mobile Gasversorgung. Das ist eine recht aufwendige Lösung, die nur für eine temporäre Gasversorgung u. a. bei der Wartung von Anlagen, dem Molchen und Spülen von Pipelines oder der Inertisierung von Behältern und Tanks sinnvoll ist.




