Die Weltbevölkerung wächst stetig. Um die Ernährung von Milliarden Menschen sicherzustellen, ist in vielen Bereichen der Lebensmittelindustrie eine zunehmende Automatisierung der Prozesse erforderlich. Leistungsstarke Bildverarbeitungssysteme spielen dabei eine Schlüsselrolle – insbesondere in der optischen Qualitätskontrolle. James Cameron, Vertriebsleiter EMEA bei JAI, erläutert im Interview die aktuellen Anforderungen, technologischen Entwicklungen und künftigen Trends.
Wie hat sich die Lebensmittelindustrie mithilfe der industriellen Bildverarbeitung weiterentwickelt – und welche Trends erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
James Cameron: In den vergangenen fünf Jahren hat sich die industrielle Bildverarbeitung in der Lebensmittelindustrie von einem überwiegend statischen Inspektionswerkzeug zu einem deutlich intelligenteren System entwickelt. Heute geht es nicht mehr nur um reine Fehlererkennung, sondern um umfassende Qualitätssicherung – bis hin zur Vorhersage von Produkteigenschaften.
Im Obstsektor werden Deep Learning und multispektrale Bildgebung zunehmend zum Standard. Damit lassen sich äußere Oberflächenfehler ebenso erkennen wie innere Mängel. Das ermöglicht eine zuverlässigere Sortierung, reduziert Fehlauswürfe und erlaubt es, Qualitätsparameter wie Zuckergehalt oder innere Druckstellen zerstörungsfrei abzuschätzen.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Verlagerung der Datenverarbeitung „on the edge“, also direkt an die Produktionslinie. Edge Processing in Kombination mit Embedded-KI ermöglicht Echtzeitentscheidungen, erhöht die Prozesssicherheit und reduziert Ausschuss. In den kommenden fünf Jahren wird der Fokus noch stärker auf prädiktiven Bildverarbeitungssystemen liegen. Deep-Learning-Modelle werden nicht nur Fehler klassifizieren, sondern auch Frische, Reifegrad und Haltbarkeit vorhersagen.
Zudem erwarten wir eine zunehmende Nutzung von 3D- und laserbasierter Bildgebung, insbesondere für die präzise Lokalisierung und die robotergestützte Handhabung verpackter Waren. Wachstumstreiber werden modulare, kundenspezifische Bildverarbeitungsplattformen sein – etwa optische Bahn- und Freifallsortierer –, die sich flexibel anpassen lassen und Inspektionsdaten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg verknüpfen.
Was sind die besonderen Anforderungen an Bildverarbeitungssysteme in der Lebensmittelindustrie?
Cameron: Die Anforderungen unterscheiden sich stark je nach Produkt und Prozess. Bei der optischen Sortierung von frischem Obst werden die Früchte häufig in Bechern oder auf Förderbändern transportiert. Dadurch lassen sie sich stabilisieren, was eine präzise Oberflächen- und Farbanalyse ermöglicht.




