Heute liefert die moderne „organische und anorganische“ Analytik in Forschung und Entwicklung mehr Informationen pro Versuch denn je. Sie erlaubt gleichzeitig mehr Versuche in einer definierten Zeiteinheit als früher. Mit der Online-Spektroskopie beispielsweise lassen sich die Konzentrationen von Ausgangs- und Endprodukten einer Reaktion simultan in Echtzeit verfolgen. Das erleichtert die Verfahrensoptimierung erheblich. Für solche Messungen und Optimierungsaufgaben wäre vor wenigen Jahren ein erheblich höherer Aufwand notwendig gewesen.
In der Produktion ermöglicht die moderne Analytik eine präzise Prozeßsteuerung, sichert eine konstante, hohe Produktqualität und gewährleistet eine hohe Anlagensicherheit. Die essentielle Bedeutung der Analytik für Umweltschutz und Arbeitssicherheit liegt auf der Hand. In Hinblick auf diese Tatsachen wird klar, welche entscheidende Rolle die Analytik bei der BASF spielt. Allein am BASF-Standort Ludwigshafen beschäftigen sich mehrere tausend Mitarbeiter mit Analytik. Dabei durchziehen die analytischen Aktivitäten das gesamte Unternehmen. Weiterhin wendet das Unternehmen etwa vier Prozent der Fertigungskosten für die produktionsbegleitende Analytik auf.
Zur Analytik vor Ort zählen die Untersuchungen direkt am Arbeitsplatz des Forschers oder des Anwendungstechnikers, aber auch die Analytik zur Sicherung der Produktqualität in den Unternehmensbereichen. Zudem beschäftigen sich Speziallaboratorien bei der BASF mit Teilaspekten der Analytik.
Die Zentrale Analytik beherbergt nur ca. 15 Prozent der analytischen Aktivitäten des Unternehmens. Diese Abteilung muß für analytische Probleme aller Art und aus allen Richtungen ansprechbar sein. Dafür steht hier praktisch das gesamte Arsenal der analytischen Methodik zur Verfügung.
Qualität, Kosten und Geschwindigkeit bestimmen heute die Rahmenbedingungen für die Analytik. Sie sind nicht ohne Kompromisse miteinander vereinbar: In einer gegebenen Situation ist eine Steigerung der Qualität nur zu Lasten der Geschwindigkeit oder der Kosten möglich. Will man eine höhere Geschwindigkeit erzielen, so hat das negative Auswirkungen auf die Kosten oder die Qualität. Und niedrigere Kosten müssen mit Konzessionen an die Geschwindigkeit oder die Qualität erkauft werden.
Kosten und Geschwindigkeit sind eindeutig definiert. Jedoch ist die Qualität heute zu einem schillernden Begriff geworden. Nach den formalen Regeln der Good Laboratory Practices (GLP) ist die Qualität einer Untersuchung im wesentlichen durch lückenlose Dokumentation der Abläufe und die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse bestimmt – ein sicherlich eingeengter Qualitätsbegriff. Nach den auf dem Total Quality Management-Konzept basierenden Richtlinien der BASF ist Qualität weitgehend synonym mit Kundenorientierung. Ein US-amerikanischer Analytiker hat es auf den Punkt gebracht: „Quality is what the customer wants“. Und was wünscht der Kunde? „The desired information“. Das klingt trivial, ist es aber nicht. Denn in der Definition des Problems und der Vereinbarung des Ziels besteht heute eine der anspruchsvollsten Aufgaben des Analytikers. Es kann durchaus kontraproduktiv sein, alles so perfekt wie möglich zu machen. Das Motto heißt vielmehr: So gut wie nötig, und das sicher und prompt. Denn die perfekte Information ist wertlos, wenn sie zu spät kommt. Außerdem geht unnötige Perfektion zu Lasten der Wirtschaftlichkeit.




