Die Entwicklung von Fernwartungslösungen seit Ende der 90er Jahre hat viele Erleichterung gebracht. Insbesondere mit der Integration von OT (Operational Technology), IT (Information Technology) und IoT (Internet of Things) hat dieser Bereich enorme Entwicklungssprünge gemacht. Die Zustandsüberwachung zur Fehlererkennung und -analyse wird ebenso möglich wie die Wartung oder der Datenaustausch in industriellen Ökosystemen. Dies bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich.
Unterschiedliche Zugriffstechnologien
Zum einen müssen die Verantwortlichen alle Fernwartungslösungen ins Netzwerk integrieren und den Maschinenherstellern sicheren Zugriff gewähren. Im schlimmsten Fall bedeutet dass, für jede Maschine unterschiedliche Zugriffstechnologien mit oft spezifischen Konfigurationen zu verwalten und zu betreiben. Dies erhöht den Aufwand, schafft zusätzliche Risiken und senkt die Effizienz – eine komplexe Herausforderung für Service- und IT-Leiter.
Zum anderen müssen alle integrierten Systeme den strengen Hygiene- und Sicherheitsstandards der Lebensmittelindustrie entsprechen, um die Qualität und Sicherheit der Produkte zu gewährleisten. Die Dokumentation und Rückverfolgbarkeit aller durchgeführten Wartungsarbeiten ist daher entscheidend, um den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden und transparente Produktionsprozesse zu gewährleisten.
Zahl der Cyberangriffe steigt stetig
Und schließlich steigt mit der fortschreitenden Digitalisierung im Produktionsumfeld auch das Sicherheitsrisiko. Laut einer Studie von Cybersecurity Ventures fand im Jahr 2023 alle 39 s ein Cyberangriff statt: Das entspricht über 2200 Attacken pro Tag. Zum Vergleich: Nach den Daten aus 2022 lag die Frequenz bei durchschnittlich 44 s. Auch die Lebensmittelindustrie wird immer häufiger zum Ziel von Angriffen. Denn obwohl auch die Lebensmittelversorgungskette zu den kritischen Infrastrukturen zählt und ein wichtiger Bestandteil der EU-Richtlinie NIS2 ist, wird die Cybersicherheit in diesem Bereich im Vergleich zu anderen Branchen wie dem Gesundheitswesen oder der Energieversorgung oft vernachlässigt.
Doch wie können Unternehmen sich wirksam vor solchen Angriffen zu schützen? Die Dringlichkeit haben die Hersteller bereits begriffen. Das Thema Cybersecurity ist heute – zu Recht – Chefsache und ein Thema, das auf höchster Ebene eine zentrale Rolle in der strategischen Planung der Lebensmittelhersteller und ihrer Zulieferer spielt.
Herausforderungen bei der Fernwartung?
Die Fernwartung von Maschinen und Anlagen bleibt aus verschiedenen Gründen ein verwundbarer Bereich. : In vielen Unternehmen wurden modembasierte Fernwartungslösungen durch internetbasierte Systeme abgelöst und kontinuierlich erweitert. Dies führt dazu, dass Lebensmittelhersteller teilweise verschiedene Generationen von Fernwartungslösungen parallel im Einsatz haben. Regelungen wie das IT-Sicherheitsgesetz, der EU Data Act, NIS-2, der europäische Cyber Resilience Act (CRA), die Kritis-Verordnung und internationale Standards wie IEC 62443 verändern das Sicherheitsbewusstsein. Bei großen Unternehmenskunden prüfen Industrieversicherer und Wirtschaftsprüfer die Fernwartungszugriffe von Zulieferern sehr genau und bewerten diese zunehmend kritisch. Dies führt oft zu zusätzlichen Anforderungen zur Risikominimierung wie Zwei-Faktor-Authentifizierung, umfassendes Audit-Logging oder abschaltbare Zugänge.




