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    Wartungsfreie Kunststoffgleitlager
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    Technik

    Wartungsfreie Kunststoffgleitlager

    Wartungsfreie Kunststoffgleitlager kommen in der chemischen und Pharmaindustrie, in der Food- und der Verpackungstechnik immer öfter zum Einsatz. Die
    Veröffentlicht
    07. November 2006
    Lesezeit
    5 Minuten
    Rubrik
    Technik

    Lars Braun

    Die iglidur-Produktfamilie der igus GmbH aus Köln bewährt sich seit Jahren in unzähligen Anwendungen. Die Gleitlager aus Hochleistungskunststoffen sind aus exakt aufeinander abgestimmten Verstärkungs- und Festschmierstoffen zusammengesetzt. Jährlich werden mehr als 100 neue Kunststoff-Compounds entwickelt, über 5000 Tests durchgeführt und die Ergebnisse in einer Datenbank hinterlegt. Sie macht es heute möglich, die überwiegende Zahl der Anwendungen im Vorfeld besser zu beurteilen, die erwartete Lebensdauer zu berechnen und damit dem Anwender präzise Sicherheit bei seinem Einsatz zu geben.

    Über oben skizzierte Eigenschaften hinaus besitzt jeder iglidur-Lagerwerkstoff eine Reihe spezieller Eigenschaften, die seine besondere Eignung für ganz bestimmte Anwendungen und Anforderungen ausmachen – denn Gleitlager müssen, teilweise über Jahre hinweg, hohe Lasten aufnehmen. Dazu müssen wartungsfreie Gleitlager niedrige Reibwerte aufweisen und ihre Verschleißfestigkeit muss den Einsatz für eine lange Zeit sicherstellen.

    Sowohl bei der Werkstoffentwicklung als auch bei der Konstruktion der Lager lassen sich Nachteile von Kunststoffen stark reduzieren. So sind iglidur-Gleitlager dünnwandig, und einige Werkstoffe weisen eine besonders hohe Wärmeleitfähigkeit auf. Beides dient der rascheren Wärmeabfuhr und erhöht damit direkt den pxv-Wert, der als analytisches Mittel zur Beantwortung der Frage nach der optimalen Einsetzbarkeit benutzt wird.

    Die Hochleistungspolymere der Gleitlager setzen sich zusammen aus: Basispolymer, Fasern und Füllstoffen sowie Festschmierstoffen. Diese Komponenten sind nicht schichtweise aufgetragen, sondern homogen miteinander vermischt. Der Vorteil dieses Aufbaus wird besonders deutlich, wenn man sich einmal die Anforderungen an die Oberfläche eines Lagers verdeutlicht:

    • Der Reibwert, der besonders durch die Oberfläche des Lagers bestimmt wird, soll möglichst gering sein.
    • Die Oberfläche darf sich unter den Kräften, die auf das Lager wirken, nicht wegdrücken.
    • Die Verschleißkräfte wirken besonders auf die Oberfläche der Lager, hier muss das Lager besonders widerstandsfähig sein.

    Den einen universellen Werkstoff, der all diese Aufgaben gleich gut erfüllen kann, gibt es nicht. Die traditionelle Lösung heißt: harte Schale mit weicher Beschichtung. Jedes geschmierte Lager arbeitet nach diesem Prinzip, außerdem eine Reihe von wartungsfreien Lagern, die mit besonderen Gleitschichten ausgerüstet sind. Aber diese weiche Gleitschicht ist oftmals nicht stark genug. Heißt: Bei hohen Belastungen, Kantenpressung oder Schwingungen drückt sie sich weg.

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    iglidur-Gleitlager funktionieren anders. Für jede Aufgabe des Lagers steht eine Komponente der Werkstoffe: Die Basispolymere sind entscheidend für die Verschleißfestigkeit. Fasern und Füllstoffe verstärken die Lager, so dass auch hohe Kräfte oder Kantenbelastungen aufgenommen werden. Festschmierstoffe schließlich schmieren die Lager selbstständig und vermindern die Reibung des Systems.

    Die Festschmierstoffe sind als mikroskopisch kleine Partikel, dafür aber millionenfach in winzigen Kammern, in dem festen, meistens Faser verstärkten Material eingebettet. Aus diesen Kammern geben die Gleitlager winzige Mengen der Festschmierstoffe frei. Das reicht aus, um die unmittelbare Umgebung ausreichend zu schmieren. Die Festschmierstoffe helfen, den Reibwert der Lager zu senken. Sie sind nicht unverzichtbar für die Funktion der Lager, haben aber eine unterstützende Wirkung. Da sie in den winzigen Kammern eingebettet sind, können sie sich eben nicht wegdrücken. Sie sind immer da, sobald sich das Lager oder die Welle in Bewegung setzt.

    Das iglidur-Z510-Materialcompound kombiniert den Anwendungsbereich für Dauergebrauchstemperaturen von 260 °C mit gleichzeitig höchster Druckfestigkeit und Formstabilität. Aufgrund der hohen Druckfestigkeit und Elastizität kann der Werkstoff überdies besonders hohe Lasten auch schwenkend und bei Kantenbelastungen aufnehmen. Bei rotierenden Tests bestand er Dauerbeanspruchungen von weit über 100 MPa bei permanenter Bewegung. Auch in Rotationsanwendungen unter Temperatureinfluss von 150 °C erreicht der Werkstoff beste Verschleißergebnisse. Im igus-Labor wurden spezifische Verschleißwerte von < 4 µm/km ermittelt.

    Der Lagerwerkstoff ist darüber hinaus besonders chemikalienbeständig und zeichnet sich durch eine geringe Wasseraufnahme aus. Wie alle Polymergleitlager von igus ist iglidur Z510 wartungs- und korrosionsfrei. Auch die Medienbeständigkeit setzt dem Einsatz kaum Grenzen. Gute Beständigkeit weist der Werkstoff laut Chemikalienbeständigkeitstabelle beispielsweise gegen 37%-ige Salzsäure, 35%-ige Phosphorsäure, 30%-ige Schwefelsäure, aber auch gegen Kraftstoffe wie Benzin oder Diesel auf, um nur einige zu nennen.

    Neben vielen technischen Pluspunkten bieten Polymergleitlager grundsätzlich hohe Kostenvorteile. Diese liegen bei bis zu 40 % gegenüber handelsüblich gerollten Lagern, so das Unternehmen. Entsprechend häufig kommen sie in den unterschiedlichsten Anwendungen zum Einsatz. Sie reichen von Flaschenreinigungs- und -abfüllmaschinen, Flanschkugelhähnen, Gasbehältern, Absperrventilen für flüssige Chemikalien, Füllventilen der Chemietechnik, Rührwerkslagerungen u.a. für die Chemikalien-Aufbereitung bis hin zu kompakten Fettfiltrationsgeräten, in denen die Gleitlager Temperaturen von bis zu 220 °C ausgesetzt sind.

    In Flaschenreinigungsmaschinen werden zum Transport der Flaschenträger Förderketten eingesetzt. Diese Flaschenträger durchlaufen mäanderförmig verschiedene Behandlungszonen. Die Hauptreinigung erfolgt in 80°C heißer 3,5%-iger Natronlauge. Danach folgen Klarspülzonen und zuletzt werden die Flaschen mit Frischwasser gespült. Diese Anwendung stellt höchste Ansprüche an die eingesetzten Materialien, da die teilweise extremen Verschmutzungen der Flaschen, dazu zählen Sand, Schimmel, Ausstattungsreste, entfernt werden müssen. In dieser rauen Umgebung werden zum Transport sogenannte Buchsenförderketten eingesetzt; sie bestehen aus den Laschen und den gehärteten Bauteilen wie Bolzen, Buchse und eine umlaufende Rolle. Das Ziel igus und Konstrukteuren auf Kundenseite war, die Antriebsleistung zu halbieren. Das wurde durch den Einsatz von Gleitlagern aus iglidur J (niedrigste Feuchtigkeitsaufnahme und gute Chemikalienbeständigkeit) erreicht. Eine Kunststoffbuchse wurde als Gleitpartner für die umlaufende Waschkettenrolle eingesetzt.

    Auch in Abfüllmaschinen (Chemie, Pharma, Food) beweisen die Kunststofflager ihre Stärke. Das gilt z.B. für aseptische Abfüllmaschinen, die aus Gründen der Keimfreiheit mehrmals täglich mit sogenannten Peressig-Säuren gereinigt werden. Aggressivster Bestandteil der Peressig-Säuren ist Wasserstoff-Peroxid (H2O2), das im direkten Kontakt zu Gleitlagern stehen kann. Um allen Möglichkeiten für eine saubere, sichere, flexible und wirtschaftliche Realisierung dieser Anforderungen gerecht zu werden, wurden trockenlaufgeeignete Kunststofflager eingesetzt, die auch unter Einwirkung von Wasser bzw. Desinfektionsmitteln die erforderlichen Ergebnisse bei Reibung und Lebensdauer erzielen.

    Halle 7, Stand 728

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