Molkereien müssen Produktionsabwässer behandeln und ableiten, gleichzeitig beziehen sie große Mengen an Frischwasser für die Produktion. Stellen Molkereien im Wesentlichen trockene Produkte her, entsteht gewissermaßen nebenbei Wasser. Wer also zum Beispiel sein Brüdenkondensat aufbereitet, kann den Frischwasserbedarf reduzieren. Ein Wassermanagement mit interessanten Vorteilen.
Brüdenkondensat ist für viele Molkereien eine wachsende Herausforderung. Die Flüssigkeit, die zum Beispiel bei der Produktion von Milchpulver entsteht, muss in vielen Ländern eigentlich in eine Kläranlage – schließlich enthält sie Milchbestandteile. Das verursacht Kosten und Aufwand und stellt damit für die Molkereien ein größer werdendes Problem dar, denn die Nachfrage nach Milchpulver steigt global an. Zahlreiche Molkereien verstärken deshalb seit Jahren ihre Produktion. Gleichzeitig aber haben sie einen hohen Wasserbedarf, etwa für Kühl- oder Reinigungswasser. Sie zahlen also einerseits für die Entsorgung eines produkthaltigen Wassers, benötigen aber andererseits Wasser. Wenn man bedenkt, dass Milch zu etwa 86 % aus Wasser besteht, liegt es nahe, dieses Wasser zu nutzen, anstatt es zu entsorgen.
Ausgeklügeltes Zusammenspiel
Den Wasserfußabdruck zu verbessern war die Maßgabe, mit der 2017 eine große Molkerei an Envirochemie herantrat. Die Molkerei hatte bereits versucht, ihr Brüdenkondensat selbst aufzubereiten, dann aber gemerkt, dass das nicht so einfach ist. Für die Aufbereitung von Brüdenkondensat ist ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von biologischen und chemisch-physikalischen Prozessen notwendig. Das heißt: Um aus Brüdenkondensat tatsächlich Prozesswasser zu machen, braucht es jede Menge Wasseraufbereitungsexpertise. Envirochemie bekam den Zuschlag für das Projekt und begann, in der Molkerei eine größere Pilotanlage aufzubauen. Das war in dieser Dimension neu für das Unternehmen. Schließlich geht es nicht nur darum, bestimmten Hygienevorschriften zu entsprechen, die Anlage sollte auch möglichst leicht zu bedienen und zu reinigen sein sowie automatisch funktionieren.
Um dies zu erreichen, haben die Experten von Envirochemie Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen der Abwasserbehandlung kombiniert: Das daraus resultierende Ergebnis, die mehrstufige Envopur-Revap-Anlage, verbindet die biologischen Behandlungsverfahren Biomar und die Membranverfahren Envopur von Envirochemie. Auf die Pilotanlage folgte eine größere Anlage. Die Molkerei wird in naher Zukunft 120 m3 Brüdenkondensat pro Stunde recyceln. Diese Menge beweist, dass das Verfahren in verschiedenen Größenordnungen funktioniert. Damit lässt es sich gut auf andere Molkereien übertragen.




