Nach wie vor ist Lärm am Arbeitsplatz ein großes Problem in vielen produzierenden Industriezweigen. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2012 in Deutschland ca. 5,5 Mio. Menschen in Lärmbereichen arbeiten. Europaweit nimmt man an, dass jeder fünfte Arbeitnehmer in einem Lärmbereich, zumindest zeitweise, tätig ist.
Das schweizerische Bundesamt für Umwelt BAFU schätzt, dass alleine in der Alpenrepublik jährlich Gesundheitskosten von 100 Mio. Euro pro Jahr durch Lärmbelastung verursacht werden. Der Grund: Der Körper reagiert auf störende Geräusche automatisch mit der Ausschüttung von Stresshormonen. Die Folgen sind eine erhöhte Herzfrequenz und erhöhte Blutdruckwerte. Untersuchungen weisen darauf hin, dass durch Lärm bluthochdruckbedingte Krankheiten, aber auch Herzkrankheiten bis hin zum Herzinfarkt zunehmen. Ein anderes Problem: In Räumen mit schlechter Akustik werden Maschinengeräusche zu wahren Kommunikationskillern. Sie erfordern eine erhöhte Konzentration bei der Verständigung und führen zwangsläufig zu Missverständnissen und Fehlern. Viele dieser Arbeitsplätze haben eine Gemeinsamkeit: Sie befinden sich in Hygiene- und Reinraumbereichen.
In der Fleischwarenindustrie, der Getränkeindustrie, Molkereien, Schlachthöfen etc. sind die Räumlichkeiten aufgrund der hohen Anforderungen an die Hygiene meist mit glatten Wänden und Decken ausgestattet. Auf der einen Seite sind die Rauminnenflächen leicht zu reinigen. Aber aus Sicht der Akustik sind die glatten Oberflächen ungünstig. So liegt das Absorptionsvermögen von Fliesen beispielsweise bei unter 5 %. Ca. 95 % der von Maschinen abgestrahlten Schallenergie wird an den Rauminnenflächen reflektiert und führt durch die fortlaufenden Überlagerungen der Schallwellen zu höheren Schallpegeln im Raum und zu längeren Nachhallzeiten. Für einen Arbeitsplatz eine sehr ungünstige Umgebung.
Die Voraussetzungen für den Einbau von Schallschluckern sind dabei eigentlich ideal, da Nachhallzeiten und Schallpegel relativ leicht gesenkt werden können. Doch die Vielzahl der Lärmschutzprodukte für den Hygienebereich scheitert an der Reinigung bzw. Pflege.
Bei der Verwendung von Schallschluckern kommt es in erster Linie darauf an, dass sie leicht und vollständig gereinigt werden können. Häufig arbeiten externe Reinigungsfirmen in den Unternehmen und müssen in einem vorgegebenen Zeitrahmen die Reinigung durchführen. Lassen sich die Absorber nur schlecht reinigen und es bleiben Rückstände, können sich Keime ansiedeln.
Häufig kommen Akustikdeckenplatten oder Baffeln zum Einsatz. Je nach Produkt besteht der Kern z. B. aus Glas- oder Steinwolle. Damit keine Mikroorganismen eindringen können, wird der Absorberkern mit einer speziellen Folie umhüllt. Der Nachteil: Die leicht demontierbaren Absorber dürfen nur mit einem feuchten Tuch gesäubert werden und sind für die Reinigung mit Hochdruck oder in der Waschanlage nicht geeignet. Auch halten die meisten Absorber der täglichen Reinigung mit Laugen und Säuren – zur Entfernung von Fetten und Eiweißen – auf längere Zeit nicht stand. Ein weiterer Nachteil der folienüberzogenen Schallabsorber: Sie sind zwar wasserabweisend und dampfundurchlässig, aber die Folien können mechanisch verletzt werden oder sich mit der Zeit lösen und somit Schimmel und Bakterien Einlass gewähren. Deshalb müssen die Akustikelemente nach einigen Jahren ausgewechselt werden. Auch wenn die Folienüberzüge nicht sauber geschnitten wurden, können sich Schmutzkanten bilden. Ein weiteres Problem kann bei den Metallrahmen gewisser Absorber entstehen: An den Kanten kann sich Schmutz festsetzen, der ebenfalls die Bildung von Keimen und Schimmel begünstigt.




