Im Finanzsektor hat sie ihren Siegeszug bereits hinter sich, jetzt soll sie die Lieferketten in der Food-Branche optimieren – die Blockchain. Die Technologie hinter diesem Schlagwort wird zwar noch nicht in großem Stil in den Unternehmen der Lebensmittelindustrie eingesetzt, ist aber auf dem Vormarsch. Welchen Nutzen bietet sie? Und was sind die Hürden und Herausforderungen bei der Implementierung?
Die Mehrheit der Unternehmen hierzulande setzt zunehmend auf Blockchain-Lösungen, um ihre Supply Chain zu optimieren. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage unter 652 Unternehmen im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom. 59 % stimmen danach der Aussage zu, dass die Blockchain eine der wichtigsten Zukunftstechnologien ist. Entsprechend hoch sind die Erwartungen: Praktisch alle (99 %) erhoffen sich von ihr, bestehende Produkte oder Dienstleistungen anpassen zu können. „Ihren Weg in die praktische Umsetzung muss sie in den Unternehmen aber erst noch finden“, kommentiert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder das Ergebnis – denn ohne die Identifikation konkreter Use Cases für den Einsatz fehlt die Grundlage für den Investment-Entscheid. Ein Sachverhalt, den fast 80 % der Unternehmen neben fehlendem Know-how (87 %) und einem Mangel an qualifiziertem Personal (81 %) beklagen.
Durch und durch dezentral
Vereinfacht betrachtet handelt es sich bei der Blockchain um eine dezentrale Datenbank, die sich auf die Teilnehmer eines Netzwerkes, beispielsweise einer Supply Chain für Fairtrade-Kaffee, verteilt. Jegliche Transaktion wird lückenlos in einer Liste, auch Ledger genannt, dokumentiert und ist für alle Teilnehmer einsehbar. Nach einer bestimmten Zeit werden die bis dahin ausgeführten Transaktionen zu Blöcken zusammengefasst und mit einer Prüfsumme, dem Hash-Wert, sowie einem Zeitstempel versehen. Jeder dieser chronologisch angeordneten Blöcke ist mittels kryptografischer Verfahren mit dem vorherigen Block in der Liste verkettet, wodurch die eigentliche Blockchain entsteht. Alle beteiligten Akteure wissen also zu jeder Zeit, was mit den Kaffeebohnen wo und wie passiert. Daten, die einmal eingepflegt wurden, können nicht ohne Weiteres widerrufen werden. Enthält ein Datensatz einen Fehler, muss eine neue Transaktion hinzugefügt werden, um den Fehler zu beheben. Beide Transaktionen sind dann in der Blockchain sichtbar. Dadurch wird die Möglichkeit der Manipulation ausgeschlossen und ein Transaktionsbuch erstellt, dem alle Netzwerkmitglieder vertrauen können. Wie jeder technologische Wandel, birgt die Implementierung einer Blockchain organisatorische Risiken. Die Unternehmen stehen deshalb zu Beginn vor der Frage, ob sie einen Server in Eigenregie betreiben wollen. Gerade wenn es um die Skalierung oder Anbindung weiterer Partner geht, wird die Pflege einer eigenen Infrastruktur zu einer Herausforderung. „Wer die Chancen ausloten möchte, tut daher gut daran, auf Zusammenarbeit zu setzen“, meint Bernhard Rohleder. Rund dreiviertel der von Bitkom befragten Unternehmen, die die Blockchain bereits nutzen, ihren Einsatz planen oder darüber diskutieren, arbeiten deshalb mit externen Partnern zusammen. Die Rede ist von Blockchain-as-a-Service, einer Cloud-Dienstleistung zur Bereitstellung von Plattformen für unternehmenseigene Anwendungen. Sie basieren auf der Distributed-Ledger-Technologie und bieten die Möglichkeit, die Informationen auf einer Need-to-Know-Basis zu teilen, also nur mit den berechtigten Parteien der Supply Chain.




