Verpackungen aus Kunststoff landen nach Gebrauch im Müll und werden zum Großteil thermisch verwertet. Doch was, wenn die Recyclingfähigkeit bereits beim Design mit berücksichtigt wird? Hendrik Rasch, zuständig für den Bereich Circular Packaging & Plastics Recycling im Next Markets Program bei Evonik erklärt, wie „Design for Circularity“ dazu beiträgt, dass sich Abfälle leicht zerlegen, reinigen und wiederverwerten lassen.
Herr Rasch, welche Zielsetzung hat das Next Markets Program?
Hendrik Rasch: Neue Anforderungen aus der Verpackungsverordnung führen dazu, dass Verpackungen nach ihrer Recyclingfähigkeit klassifiziert und anschließend mit unterschiedlichen Kosten zu Buche schlagen werden. Als Spezialchemie-Unternehmen liefert Evonik Lösungen, die kreislauffähige Systeme wie Kunststoffrecycling ermöglichen oder unterstützen. Der Mehrwert dieser Lösungen liegt oft nicht bei unseren direkten Kunden, sondern bei den Markenartikelherstellern. Neue Verpackungstypen brauchen also die Einbindung vieler Beteiligter entlang der Wertschöpfungskette. Das Next Markets Program bündelt im Bereich Verpackungen alle internen Aktivitäten und Produktlösungen, baut Kontakte zu neuen Partnern entlang der Wertschöpfungskette auf, und treibt die Geschäftsentwicklung für Design-for-Circularity-Lösungen im Markt voran.
Wie gelingt es, den Anteil nicht recyclebarer Kunststoffabfälle zu minimieren?
Rasch: Das erfordert ein grundsätzliches Umdenken. Recycling darf nicht mehr ausschließlich am Ende des Produktlebens betrachtet werden, sondern schon am Anfang – beim Design und bei der Herstellung. Dieses Prinzip nennen wir „Design for Circularity“. Produkte werden so entwickelt, dass sie sich später einfacher zerlegen, reinigen und wiederverwerten lassen. Evonik hat die Aktivitäten für den Kunststoffkreislauf bereits 2020 im Global Circular Plastics Program gebündelt und den Fokus wenig später mit dem Circular Economy Program auf weitere Stoffströme erweitert. Die Idee: Produkte und Prozesse so zu konzipieren, dass immer weniger fossile Rohstoffe erforderlich sind und sie Anforderungen an die Recyclingfähigkeit erfüllen. Hierzu betrachtet Evonik die komplette Wertschöpfungskette ganzheitlich, da schon seit Jahren Partnerschaften mit Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette bestehen, zum Beispiel zum Compounder, Druckfarbenhersteller, Converter oder Brandowner.
Warum ist dieses Umdenken gerade bei Kunststoffen so wichtig?
Rasch: Auf der einen Seite haben Kunststoffe hervorragende Eigenschaften und sind in vielen Anwendungen unverzichtbar. Gerade der Schutz des Füllguts – also zum Beispiel der verpackten Lebensmittel – ist ohne Kunststoffverpackungen kaum möglich. Ein Verzicht auf kunststoffbasierte Verpackungen würde die Haltbarkeit und Qualität der verpackten Produkte deutlich einschränken.




