Dipl.-Wirt.-Ing. Isabelle Henkel, Dr.-Ing. Martin Behne
Die Qualität von Lebensmitteln steht an erster Stelle. Sie wird kontinuierlich überwacht und bei Abweichungen sofort angepasst. In der Regel geht eine zuverlässig hohe Produktqualität mit hohem Energieaufwand u.a. für die Bereitstellung der benötigten Kälte einher. Die Kontrolle und Überwachung der Kälteanlagen, wird jedoch in vielen Unternehmen vernachlässigt, solange diese ausreichend Kälteleistung bereit stellen. In der Fleischindustrie beispielsweise sind die Kälteanlagen häufig die Hauptstromverbraucher. 30% des verbrauchten Stroms oder mehr werden in Kälte umgewandelt. Dies resultiert hauptsächlich aus den in der Fleischindustrie gesetzlich geregelten niedrigen Arbeits- und Lagertemperaturen, den notwendigen Abkühlvorgängen sowie aus den langen Betriebszeiten.
Der erste Schritt zur Senkung der Stromverbräuche ist eine gezielte Bestandsaufnahme im Rahmen eines ganzheitlichen Kältekonzepts. Schwachstellen und Einsparpotenziale werden aufgezeigt und Optimierungsvorschläge erarbeitet. Nach den Erfahrungen von Ökotec Energiemanagement lassen sich in der Fleischindustrie Kosteneinsparungen zwischen 20 und 30% beispielsweise in folgenden Bereichen wirtschaftlich erschließen:
• Kältemaschinen (Kompressionskältemaschinen versus Absorptionskältemaschinen)
• Regelung der Anlagen
• Temperaturniveaus auf der Verdampfer- und Kondensatorseite
• Wärmerückgewinnung und Rückkühlung
• freie Kühlung
• Drehzahlregelung der Pumpen
• Kältespeicher (Wasser, Eis, Binäreis)
Die Senkung der Energiekosten für die Kälteerzeugung bedeutet nicht zwangsläufig, dass Altanlagen ausgetauscht werden müssen. Häufig lassen sich Einsparpotenziale durch eine Modernisierung vorhandener Anlagen erzielen. So können bestehende Kälteanlagen überholt und an den Bedarf angepasst werden. Dies kann die Aufarbeitung der Verdichter, die Optimierung der Verflüssiger, die Steuerung (Einzelsteuerung) sowie die Nachrüstung mit einer Wärmerückgewinnung umfassen. Hier zwei praktische Beispiele aus der Lebensmittelindustrie, die Absorptionskälteanlagen und Kühlregister betreffen: Der Einsatz von Absorptionskälteanlagen bietet sich in der Lebensmittelindustrie an, da dort häufig kostengünstige (Ab-)Wärme mit ausreichend hohen Temperaturen, zum Beispiel aus Nachverbrennungsanlagen oder Economizern in Dampfanlagen, anfällt und gleichzeitig Kälte benötigt wird. So lassen sich sehr vorteilhaft Arbeitsbereiche oder Kühl- und Reiferäume der Fleisch verarbeitenden Industrie kühlen. Dies gilt insbesondere, wenn die Wärmeversorgung mit einbezogen wird, um die Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung zu nutzen. Durch die gesetzlich festgelegten Einspeisevergütungen können Wärme und Kälte sehr wirtschaftlich bereit gestellt und Kosten gesenkt werden.




