Volker Klaas
Waren entlang der gesamten Beschaffungskette zurückverfolgen, Qualität konstant sicherstellen und Logistiksysteme optimieren: Das kann die Nahrungs- und Genussmittelindustrie durch den Einsatz von RFID-Technologie erreichen. Und tatsächlich stellt der an den Waren und Gütern befestigte Transponder eine lückenlose Überwachung der Transportkette vom Erzeuger bis ins Supermarktregal sicher. In Echtzeit gibt die Funktechnologie Auskunft über den exakten Standort und die Wege der Ware bis hin zu eventuellen Unterbrechungen in der Kühlkette. Erkenntnisse über Frische und Haltbarkeit der Produkte sind damit garantiert. Dementsprechend liegt das Augenmerk sowohl auf Seiten der Hersteller als auch der Anwender auf dem praktischen Nutzen und der Wirtschaftlichkeit der Funktechnologie. Je nach Branche, müssen die Abläufe entsprechend den individuellen Anforderungen angepasst werden. Nach einer aktuellen Studie (2006) des Marktanalysten IDC sahen 71 % der Unternehmen die Optimierung ihrer Logistik als einen Antriebsfaktor dafür, sich mit dem Einsatz von RFID in ihrer Firma auseinander zu setzen. Als weitere Beweggründe gaben die Befragten die Optimierung des Wareneingangs und -ausgangs, Kundenanforderungen, eine bessere Kontrolle der Geschäftsprozesse sowie schnellere Durchlaufzeiten an.
Neben Sicherheitsbedenken konnten die RFID-Hersteller jüngst auch einige Vorbehalte ausräumen, die sich auf die Kosten für Einführung und Betrieb beziehen. Mit der wachsenden Verbreitung und Neuentwicklungen sinken die Preise für Chips und Lesegeräte stetig, so dass das Item-Level-Tagging, also das Bestücken einzelner Produkte mit einem Tag, für weniger hochwertige Waren durchaus in greifbare Nähe rückt. So sollen bald UHF Gen2-Transponder für zirka 20 Cent auf den Markt kommen.
Für günstige Massenware wie einzelne Jogurtbecher ist dieser Preis allerdings immer noch zu hoch. Den Weg zu RFID ebnen hier bedruckbare Tags auf Polymerbasis, mit denen sich langfristig ein Preis von einem Cent pro Tag realisieren lässt. Sie sind nicht nur preiswert und dünn, sondern auch überall verfügbar, flexibel und wegwerfbar. Solche druckbaren Etiketten entwickelt die Firma PolyIC, ein 2003 gegründetes Joint Venture von Siemens und dem Prägefolienhersteller Leonhard Kurz. Seit 2007 produziert das Unternehmen gedruckte Schaltungen für 13-MHz-Tags in hohen Stückzahlen.
Auch wenn sich der momentane Tag-Preis für günstige Massenwaren derzeit noch nicht rechnet, bewerten Analysten Investitionen in die RFID-Technologie in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie positiv, insbesondere im Handel und im Logistikbereich. Die Datamonitor-Studie „German RFID investment outlook for all verticals“ belegt dies. So wurden beispielsweise 2004 auf dem deutschen Logistiksektor 26,3 Mio. US-Dollar in RFID-Technologie investiert. Bis 2011 soll sich diese Summe auf 81,9 Mio. US-Dollar verdreifachen. Das deutsche Bundeswirtschaftsministerium blickt ebenfalls optimistisch in die Zukunft und erwartet für das Jahr 2010 eine RFID-beeinflusste Bruttowertschöpfung von etwa 62 Mrd. Euro – ein Anstieg von 59 Mrd. Euro im Vergleich zum Jahr 2004.




