Eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Bilderbuch: Die von der Schließung bedrohte fränkische Privatbrauerei Peter avanciert innerhalb weniger Jahre zu einem der angesagtesten Unternehmen der Getränkeindustrie. Und das mit einem alkoholfreien Produkt, der Bionade. Die rasant steigende Nachfrage war mit den vorhandenen Anlagen nicht zu befriedigen. Erhebliche Kapazitätserweiterungen standen ins Haus, sollte der Erfolg nicht durch Lieferengpässe gefährdet werden. Andererseits gebot kaufmännische Sorgfalt, vorsichtig zu investieren. Deshalb beschloss man bei der Bionade Abfüll GmbH, gebrauchte Komponenten einzusetzen. Nach einer Einkaufstour quer durch Europa (z. B. stand der Pasteur in Polen, der Auspacker in der Schweiz und der Kastenwascher in Dänemark) entstand in Ostheim eine Abfüllanlage mit einer Kapazität von 35 000 Flaschen pro Stunde. Für dieses Projekt hatten der Automatisierungsspezialist Martin Hußlein von Husslein Controls & Automation und der Programmierer Matthias Falk von Bionade eine besonders knifflige Aufgabe zu stemmen: die einzelnen Anlagenteile mit einer gemeinsamen Steuerung zu versehen. „Wir hatten keine Feinplanung, nur Ziele. Und es hat trotzdem funktioniert“, beschreibt Martin Hußlein den Umbau. Vieles, was bei Neukauf selbstverständlich ist, fehlte: etwa CAD-Zeichnungen mit Transportbänderhöhen usw. Die alten Steuerungskomponenten mussten vollständig weichen. Die Wahl fiel auf das Wago-I/O-System, das sich in jeder Phase des Projekts an alle Besonderheiten anpassen ließ. „Was ich brauche, steck ich drauf. Wenn ich mehr brauch, steck ich mehr drauf. Wir mussten noch nie einen zweiten Knoten setzen, weil einer voll war“, erklärte Martin Hußlein die Entscheidung.
Schnell war klar, dass keines der gängigen Busprotokolle alle technischen und wirtschaftlichen Anforderungen der Patchwork-Abfüllanlage erfüllen würde. Die Automatisierungsspezialisten entschieden sich deshalb anlagenweit für eine Profibus/CanOpen-Kombination. Die Kommunikation der Maschinen wurde über Ethernet realisiert. Ausschlaggebend für CanOpen war die preisgünstige Anbindung an die neun dezentralen Steuerungs- und Bedieneinheiten. Mit Datenübertragungsraten von 1 MB bzw. 500 kbit ist der Bus allen Aufgaben in der Anlage gewachsen.
Eine Ausnahme bildet die Palettierung, für die bereits ein S7-Programm von der Nachbarlinie vorhanden war. Glücklicherweise ist das Wago-I/O-System sehr flexibel. So war es einfach, die vorhandenen Anlagenteile einzubinden. Im Einsatz sind sowohl das I/O-System 750 als auch IP67-geschützte Komponenten der 755er Serie; letztere im Außenbereich an der Leergut-Palettenaufgabe. In der Palettierung wird der Profibus mit 12 MB gefahren, um bei der SPS-Zykluszeit von 2 ms Latenzzeiten zu vermeiden. Die hohe Geschwindigkeit wurde gewählt, da die Bionade-Kisten und die Paletten per Lichtschranke auf ±0,5 cm genau positioniert werden müssen. Dies ist nur mit einer Soft-S7-SPS möglich. Der Testbetrieb verlief absolut störungsfrei, deshalb wurde auf eine Anpassung an eine niedrigere Busgeschwindigkeit verzichtet. Martin Hußlein resümiert: „Bei den relativ hohen Bandgeschwindigkeiten laufen die Frequenzumrichter mit 80 bis 90 Hz. Wir sind sehr zufrieden, dass die Passivverteiler von Wago in dieser Umgebung so störungsfrei arbeiten. Wir wollen zukünftig noch stärker schaltschranklose Technik einsetzen und freuen uns schon auf die Speedway-Serie, die uns für solche Einsätze noch mehr Möglichkeiten eröffnet.“




