Dipl.-Informatikerin (FH) Marion Hennrich
Die Apollinaris & Schweppes GmbH ist einer der renommiertesten Markenanbieter im Segment der Mineralwässer und Erfrischungsgetränke. Die Produktionsstätte liegt im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr, der Verwaltungssitz in Hamburg. Die einzelnen Mineralwassersorten sowie Mischgetränke werden weltweit in rund 40 Länder exportiert. Die Marken Apollinaris und Schweppes weisen in ihrem Produktbereich bundesweit eine sehr hohe Distributionsquote sowohl im Lebensmittelhandel als auch in der Gastronomie auf – allein in rund 80 000 Gastronomiebetrieben stehen die Mineralwasser und Erfrischungsgetränke auf der Karte.
„Selbst im Winter, in dem der Durst nicht ganz so groß ist, verlassen täglich etwa 2400 Paletten das Lager“, beschreibt Isa Cagas, Projektverantwortlicher für die Lagerwirtschaft in Bad Neuenahr, die zu bewältigende Liefermenge. „Auf das ganze Jahr gesehen sind das etwa 1 Mio. Vollgutpaletten mit einem ungefähren Transportvolumen von 1 Mio. Tonnen. Das entspricht rund 150 Lkw, die täglich beladen werden müssen.“
Die Lager-, Kommissionier- und Versandlogistik, die sich hinter diesen Zahlen verbirgt, war bis Ende 2004 das Ergebnis eines stetigen Wachstums. „Die Umsetzung der EU-Richtlinie 178/2002, die vom 1. Januar 2005 an eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln vorschreibt, wirkte bei uns als Startsignal, auch einmal über die Straffung der Gesamtlogistikprozesse und die Verringerung des organisatorischen Aufwandes nachzudenken“, erinnert sich Karl Brühl, Projektverantwortlicher für die Materialwirtschaft in Bad Neuenahr. „Wir hatten zwar schon SAP LES als übergeordnetes Lagerverwaltungssystem im Einsatz, aber die auftragsbezogene Kommissionierung von täglich etwa 100 Paletten erfolgte immer noch per Beleg.“ Weiter waren die im System vorgepackten Paletten nicht immer optimal ausgelastet. Oder die Anzahl der Kisten pro Auftrag überstieg die vorgegebene Anzahl an Paletten. „Hinzu kommt, dass die tatsächliche Kommissioniermenge erst nachträglich in SAP erfasst wurde, so dass wir erst zu einem sehr späten Zeitpunkt über eventuelle Fehlmengen Bescheid wussten“, ergänzt Brühl.
„Mit SAP LES konnten intralogistische Aufgabenstellungen zwar gut abgebildet werden. Allerdings gab es vor dem Hintergrund der Chargenrückverfolgung verschiedene Besonderheiten zu berücksichtigen, die sich im SAP-Standard alleine nicht umsetzen ließen. Das Ziel war, eine durchgängige und gleichzeitig praxisnahe IT-Lösung zu erreichen“, erläutert Eberhard Betker, Leiter IT bei Apollinaris & Schweppes. Im ersten Projektschritt wurden auf Basis der von Logiplan durchgeführten Logistik-analyse die Kommissionierprozesse umgestaltet: Um die Chargenrückverfolgbarkeit bei Kommissionierpaletten zu ermöglichen, muss sichergestellt werden, dass die Kommissionierplätze immer einen chargenreinen Bestand haben. Es wurden im Palettenregallager Kommissionierfixplätze je Artikel und ein Nachschubbereich mit dynamischer Platzzuordnung eingerichtet. Diese Reserveplätze werden anhand des aktuellen Kommissionierbedarfes aus dem Blocklager mit Paletten gefüllt. Die fertig gepickten Paletten werden schließlich bis zur Verladung in einem Bereitstellregal zwischengelagert.




