Zwischen Dampf, Bohnen und blank polierten Stahltanks fließen bei der CR3-Kaffeeveredelung M. Hermsen heute auch Datenströme in Echtzeit. Das Bremer Traditionsunternehmen, seit vielen Jahren zuverlässiger Partner der Kaffeeindustrie, bietet Entkoffeinierung und Dämpfung von Rohkaffee an. Mit einer neuen IT-Architektur und digitalisierten Produktionsabläufen konnte der Betrieb seinen Energieverbrauch spürbar senken.
Die IT-Landschaft der CR3-Kaffeeveredelung M. Hermsen grundlegend zu modernisieren war überfällig: „Die zentrale Steuerungsanwendungen basierte auf Eigenentwicklungen aus den 1980er-Jahren, sie war technologisch überholt und personell kaum noch zu betreuen“, sagt Andreas Iken, Leiter Informationsmanagement. Doch ein Komplettumbau war zu riskant, bei Anlagen, die rund um die Uhr laufen. Statt eines radikalen Systemwechsels setzte das Unternehmen deshalb auf eine stufenweise Modernisierung.
Schritt für Schritt zum digital gesteuerten Betrieb
Dazu holte sich CR3 die Unterstützung von Scheer PAS, einem Spezialisten für prozessgetriebene Integrationslösungen mit Niederlassungen in Deutschland und der Schweiz. Gemeinsam führten die Projektpartner neue Anwendungen Schritt für Schritt ein und verknüpften sie eng mit der bestehenden Systemlandschaft. So entstand eine moderne IT-Architektur, ohne den laufenden Betrieb aus dem Takt zu bringen. Das Ergebnis ist eine vollständig integrierte IT-Landschaft, vom ERP-System über die Produktionssteuerung bis hin zur Kundenanbindung. „Vor der Modernisierung mussten viele Daten noch manuell übertragen werden“, beschreibt Jörg Wind, Projektleiter bei Scheer PAS, die Ausgangssituation. In der Praxis hieß das etwa: Aufträge ausdrucken und anschließend manuell in ein anderes System eingeben. „Dieser Medienbruch verlangsamte Prozesse und war anfällig für Übertragungsfehler“, erläutert Wind. Heute sind sämtliche Kernbereiche vernetzt. Aufträge, Lagerprozesse und Produktionsdaten laufen automatisiert und konsistent durch alle Ebenen.
Energieeinsparung durch smarte Planung
Ein konkreter wirtschaftlicher Nutzen zeigt sich in der Energiebilanz. Durch eine integrierte Produktionsplanung konnte CR3 den Gasverbrauch um drei bis vier Prozent senken – im energieintensiven Entkoffeinierungsprozess ein relevanter Hebel. Der vorherige batchgetriebene Ablauf führte zu ungleichmäßigem Dampfverbrauch. Mithilfe mathematischer Modelle lässt sich die Auslastung der Anlagen jetzt besser steuern. „Mit klassischen Tools wie Excel wäre diese Art der Optimierung kaum realisierbar, zu viele Parameter, zu viele Abhängigkeiten“, so Iken. Die neue Systemarchitektur verarbeitet Produktionsdaten in Echtzeit, simuliert Abläufe und passt die Planung automatisch an. Weiteres zentrales Element der Modernisierung ist die Integration externer Kunden in die Prozesskette. Über standardisierte Schnittstellen erhalten diese Echtzeitzugriff auf Statusinformationen zu Lagerbestand, Wareneingangsqualität oder Produktionsfortschritt. „Unsere Kunden, darunter bekannte deutsche Kaffeemarken, können die Prozesse so steuern, als würden Lagerung und Entkoffeinierung in ihrem eigenen Werk stattfinden“, erklärt Alexander Spitzmacher, Leiter Prozess-IT bei CR3. Das entnommene Koffein verschwindet übrigens nicht, es kann weiterverwendet werden, zum Beispiel in Energydrinks.
Autorin: Silke Blumenröder
Freie Journalistin




